Sonntag, Dezember 31, 2006

Jahreswende 2006-2007

Ein stürmisches Jahr geht vorüber. 2005 noch war ich in München. Nun wieder Erfurt. Die Wogen des Lebens werfen einen an so manche Klippe – an viele auch mehrfach. Aber mein Ozean meint es gut mit mir. Meine kleine Jolle scheint die schlimmsten Stürme zu umschiffen. Wie schaffe ich es nur immer wieder, sanft zu laden? Ich nenne es Fügung und Führung. Ja, es gibt jemanden, der lenkt. Manchmal bin ich es selber, manchmal sind es andere, manchmal aber scheint es auch eine höher Macht zu sein. Ich bin dankbar für all das Gute, das mir widerfährt. Habe ich es verdient? Manchmal bin ich mir da nicht so sicher. Ich, das ruhelose Blatt im Wind, der ewig Suchende, der ewig Zweifelnde…
Draußen stürmt es auch heute. Ich verbringe ein paar Tage im hohen Norden – auch das war Fügung. Die Böller knallen und ich suche die Ruhe. Ich habe mich in mein Zimmer im Penthouse zurückgezogen. Ich mag das Getöse nicht. Vertreibt ruhig die bösen Geister damit, aber tut es ohne mich. Gerne jedoch für mich. Mein Penthouse – ebenfalls nur ein Zufall? Das Zimmer mit der besten Aussicht über die große Stadt Bremen, hoch über dem Lärm und doch inmitten der leuchtenden Farbenpracht. Ich bin so dankbar… dankbar für alles…

Lassen wir das Jahr Revue passieren… Was habe ich mir um Mitternacht vom großen Fenster meines Bruders aus gewünscht? Ich weiß es nicht mehr genau. Mit Sicherheit wollte ich im neuen Jahr gern wieder einen Mann an meiner Seite haben, mehr für das Studium tun, etwas Körpermasse verlieren, konsequenter mit mir selbst sein und die alten Freunde kontaktieren, von denen ich nur noch so selten höre. Wenn ich ehrlich bin, habe ich davon nur eine Sache umsetzen können, und daran hatte ich selbst wohl wieder den geringsten Anteil. Es gibt ihn, den Mann an meiner Seite, ohne den ich heute das neue Jahr begrüße. An all den anderen Dingen hat sich nichts verändert.
Aber dafür ist so viel anderes geschehen. Ich habe hart neben dem Studium her gejobbt, so dass ich erhebliche zeitliche Einschränkungen hinnehmen musste. Trotzdem konnte ich den Notenschnitt ungefähr halten. An Körpermasse habe ich zwar nicht verloren, diese aber umgewandelt. Heute habe ich mehr Muskelanteil als noch vor zwölf Monaten. Das verdanke ich der endgültigen Konsequenz, wieder mit dem Karate-Training anzufangen und ein Fitness-Studio zu besuchen. Und da war sie doch auch, die Konsequenz? Ja, ich war hart zu mir und ich habe böse gekämpft. Niemand hat eine Vorstellung davon, wie sehr ich gekämpft habe. Gegen mich und für mich, besonders hinsichtlich des Karate… und es hat sich gelohnt, es lohnt sich noch immer. Fehlen noch die alten Freunde. Da wäre meine Blutsschwester aus Wakontanka-Zeiten. Wir hatten in diesem Jahr mehr Kontakt als in vielen Jahren zuvor zusammengenommen. Und statt der alten sind neue Freunde gekommen, die mir sehr wichtig sind. Nun bin ich überrascht. Fällt das Fazit etwa doch nicht ganz so negativ aus?

Nunja, in gewisser Weise habe ich ja geschummelt. Ich hatte mir nie notiert, was ich im neuen Jahr tatsächlich ändern wollte. Aber eigentlich ist das doch eine gute Idee… Es ist gut, zu reflektieren und resümieren sowie Konsequenzen aus diesen Tätigkeiten zu ziehen, wenn man im Leben vorankommen will. Und das will ich. Der Ozean ist so groß und ich möchte möglichst viel davon sehen. Also werde ich an der Schwelle zu meinem 30. Lebensjahr damit anfangen, mir meine Wünsche und Vorhaben für das neue Jahr in schriftlicher Form zu fixieren. Sogar öffentlich.
Jetzt können mich alle, die mich kennen, unterstützen, motivieren, ermahnen oder auch rügen. Ich bitte Euch also um Eure Hilfe und revanchiere mich gern. Freundschaft ist ein Geben und Nehmen und je mehr ich habe, desto mehr kann ich geben. Je weiter ich selbst komme, umso weiter kann ich auch Euch bringen. Im Karate-Training würde ich mich jetzt verbeugen: Onegai shimasu! (In der Übersetzung etwa: „Bitte.“ oder „Ich habe eine Bitte.“) Am Ende des Jahres werde ich Euch an dieser Stelle danken.

Nun, was nehme ich mir vor? Ich werde es in bestimmte Lebensbereiche und zeitlich gestaffelte Ziele unterteilen.

1. Privates Glück.
Dabei kann mir nur einer helfen: Der Mann an meiner Seite, nidan, mein Hexenmeister. Du wirst gutes Durchhaltevermögen zeigen müssen und kannst Dich schon auf einiges gefasst machen. In unseren ersten Wochen hatten wir es schon nicht leicht, aber glaube mir, dass das nur die Spitze des Eisberges war! Äußere Umstände sind nichts gegen innere. Wir werden noch kämpfen müssen, aber ich weiß auch, dass wir es schaffen können. Erinnere Dich zur rechten Zeit an den Rat, den ich Dir einst gab: Manchmal musst Du mich in die Ecke treiben…
Zum privaten Glück gehört für mich nicht nur der Abbau einer emotionalen Distanz, sondern in unserem Fall auch schlicht und einfach der geografisch-räumlichen. Für mich ist das ein neuer und sehr großer Schritt, auf den ich mich aber auch schon freue. Leider haben darauf nicht nur wir, sondern auch unsere Arbeitgeber Einfluss, allerdings hoffe ich, dass sich dieses Problem auch lösen lässt. Ich wünsche mir, dass wir das kommende Silvester zusammen verbringen und die Zeit miteinander in vollen Zügen genießen…

2. Beruflicher Erfolg.
Beruflicher Erfolg hängt mit dem Abschluss meines Masterstudienganges zusammen. Obwohl ich eigentlich seit drei Monaten an meiner Magisterarbeit schreiben sollte, schiebe ich diese munter vor mir her. Alles ist wichtiger, als dieses Ding endlich in Angriff zu nehmen. Es ist ein Klacks, eine Kleinigkeit im Vergleich zu dem Kampf, das Studium überhaupt absolvieren zu können und dann so wie bisher durchzuziehen. Und ich will fertig werden. Ich will den Fängen der Universität entrinnen und wieder ein geregeltes Arbeitsleben führen. Es gibt mittlerweile einen aktualisierten Zeitplan. Abgabetermin ist am 11.03.2007. Verzeiht, wenn ich Euch bis dahin vernachlässige und besonders den schriftlichen Kontakt zurückschrauben muss. Ich komme wieder, weil ich Euch brauche und jetzt schon vermisse, versprochen.
Aber ein paar Worte zuvor deutete sich schon ein Ziel für nach dem Studium an: ein geregeltes Arbeitsleben. Ja, ich will wieder arbeiten. Ich brenne darauf. Allerdings muss ich Kraft tanken und noch ein paar Dinge tun, die mir vor der Arbeit wichtig sind. Im Prinzip geht es dabei um das Ordnen persönlicher Angelegenheiten und den Genuss der Zweisamkeit, weshalb ich erst Anfang Juni oder Juli in ein Unternehmen eintreten möchte. Konkret würde ich gern im Bereich der Public Relations (Öffentlichkeitsarbeit) arbeiten, und zwar lieber in einem großen Unternehmen als in einer Agentur. Interne Kommunikation liegt mir vielleicht auch mehr als externe, aber das ist alles schon zu spezifisch. Ich würde mich schon freuen, einfach den Fuß hinein zu bekommen – gerne auch als Trainee.

3. Urlaub und Entspannung.
Ich will raus hier!!! Meinen letzten größeren Auslandsaufenthalt hatte ich im Jahr 2000, vor Beginn des Studiums. Seitdem hat es immer an den Finanzen und der Begleitung gemangelt. 2007 ist damit Schluss. Ich möchte für mindestens zwei Wochen raus aus Europa. Ziele gibt es da viele: Nordamerika, Kanada, Neuseeland und Japan. Aber für alle diese bräuchte man eigentlich fast drei Monate und mehr Geld, als sich in einem halben Jahr Beschäftigung verdienen lässt. Also werden es wohl zwei Wochen Thailand. Egal, Hauptsache raus hier.

4. Karate-Dô.
Darüber habe ich mir vermutlich die meisten Gedanken gemacht, weil ich mich in letzter Zeit so intensiv damit und vor allem mir selbst auseinandersetzen musste. Um etwas Platz zu sparen und weil Karate schon einen beinahe zu großen Stellenwert in diesem Blog hat, folgt an dieser Stelle nur eine grobe Auflistung.

Kurzfristige Ziele:
- korrektere Wendungen
- ordentlicher Manji-Uke
- gerader Rücken
- Standhöhe beibehalten
- Ushiro-Geri *seufz*
- Kawashi und Sabaki
- ein besseres Gespür für Heian Godan entwickeln

Mittelfristige Ziele:
- sämtliche Fußtechniken verbessern
- Kumite-Angst verlieren
- Reaktion und Koordination verbessern
- Katas wiederholen und vertiefen
- Prüfung zum 4. Kyu

Langfristige Ziele:
- Vervollkommnung von Charakter, Geist und Technik
- Verstehen und Begreifen von Technik, Tradition und Etikette sowie allem, was damit verbunden ist
- meinen eigenen Weg finden und gehen
- Dô leben
- lebenslanges Lernen mit Eifer, Spaß und Freude
- eigene und fremde Grenzen ausloten und erweitern
- Aufrechterhaltung körperlicher und geistiger Fitness
- eine gute Schülerin und Senpai sein

Jetzt wird es wieder lauter. Dabei liebe ich die Stille. In den letzten Jahren gab es viele Partys zu Silvester und beinahe alle richtete ich mit aus. Aber die Zeit des großen Feierns ist vorbei. Im Moment zumindest brauche ich das nicht. Ich kann mich auch still freuen. Ich stehe in meinem Penthouse am großen Fenster und blicke in die lichterflutende Kälte hinaus. Farben zucken über den Himmel. Draußen ist es unruhig, beinahe hektisch. Was mich gerade interessiert ist, ob man sich nur still freuen oder aber auch still feiern kann? Ich jedenfalls bin gelandet. Bei mir. Ich bin endlich angekommen, vorerst zumindest. Jetzt will ich verschnaufen und später sehe ich weiter. Es ist schön. Es ist ruhig. Es ist friedlich. Innerlich. So ungewohnt.
Und siehe, in diesem Moment erledigt sich auch noch eine letzte kleine Sorge des alten Jahres. Dankeschön für alles.

nanna

Seelenfrieden

In diesem Jahr hatte ich das besondere Vergnügen, über das Internet gleich drei Personen kennenzulernen, die mir sehr viel bedeuten. Technik macht scheinbar Unmögliches möglich. Alle drei würde ich gern als meine Freunde bezeichnen, von allen dreien lerne ich und mit allen dreien verbringe ich viel Zeit. Nur, dass sie sich noch nicht persönlich kennen, wobei sich so etwas durchaus sehr schnell ändern kann ;-). Aber alle drei sind auch in gewisser Weise verschieden, was sie jeden für sich so besonders und wertvoll macht. Der eine ist eher so etwas wie mein „Vater“, der andere mein „Bruder“ und der dritte der Mann an meiner Seite. Aber die Begriffe treffen es nicht wirklich. Es gibt Dinge, die sich schwer in Worte pressen lassen…

Jedenfalls hatte ich nun schon zwei der drei wirklich persönlich kennengelernt und nutzte die Chance, auch den dritten im wirklichen Leben zu treffen. Ich bin so froh, dass es noch im alten Jahr geklappt hat. Zu viele schöne Überraschungen hielt es schon für mich bereit, aber diese machte alles rund und perfekt. Dazu gehörte – wie könnte es auch anders sein – mal wieder ein Karate-Training. Ich hatte die Möglichkeit, meine Techniken endlich auch von dem letzten beurteilen zu lassen, dessen Feedback mir besonders am Herzen liegt. Das Training war richtig hart, aber auch verdammt gut. Es gab unter anderem eine sehr gute Übung zum Einsatz der Hüfte beim Oi-Zuki und noch etliches mehr. Dann wurden meine „Heian Godan“ und „Heian Yondan“ begutachtet. Am Schluss kam letztendlich das gefürchtete Kumite. Ich durfte aber mit einem Senpai (Timo, arigato gozaimashita *verneig*) trainieren, der mir meine Furcht zu nehmen wusste und hilfreiche Tipps gab.
Trotzdem war ich froh, dass kein Shinai in Reichweite war :-). Umso mehr überraschte mich das zunächst positive (ich hoffe das negative folgt noch bei passender Gelegenheit) Feedback. Darunter war eine Aussage, die ich als das größte Lob empfand, das ich jemals hinsichtlich meines Karate bekommen habe. Ich habe es mir angenommen und beginne, „höher zu stapeln“. Die Zeit ohne Karate und der Neubeginn haben mich so verunsichert, dass ich zu lange nicht wusste, wo ich stehe, wo ich hingehöre und wo ich hinwill. Zwei dieser Dinge weiß ich nun wieder, und das verdanke ich hauptsächlich meinen drei Internet-Männern. Hmmm… so langsam glaube ich wirklich, dass ich gar nicht sooo schlecht bin ;-). Das ist ein noch etwas vages, aber schönes Gefühl, mit dem ich mich noch besser anfreunden muss. Definitiv werde ich mich aber nicht darauf ausruhen…

Meine drei speziellen Lieben, ich bin glücklich, dass ich Euch kennenlernen durfte. Karate ist plötzlich so... hm... bunt und lebendig geworden. Mir machen Dinge Spaß, zu denen man mich früher hätte prügeln müssen und es gibt sooo viel zu tun… Aber es ist nicht nur das Karate, ich mag auch Euch „einfach so“. Das darf ich jetzt sagen, weil das alte Jahr fast vorbei ist und man da immer sentimental wird. Ich freue mich aufs neue Jahr und bin gespannt, was mich in diesem noch alles erwartet. Ich war lange Zeit nicht mehr so zufrieden und „satt“. So viel Wissen für mich Neugierige und endlich das Gefühl, irgendwo (so halbwegs) hinzugehören und „angekommen“ zu sein. Domo arigato gozaimashita *verneig* und etikettenwidrig *umarm und knutsch* ;-). Danke dafür, dass Ihr so seid, wie Ihr eben seid.

nanna

IMAF-Lehrgang in Elpersbüttel

Nachdem wir erst vor zwei Wochen den tiefen Süden unserer Bundesrepublik besucht haben, fuhren die Pusteblume (Link auf Blog) und ich nun zu einem Lehrgang der besonderen Art in den hohen Norden des Landes. Um ehrlich zu sein, fuhren nicht wir selbst, sondern ihr Freund Aladin uns. So ein Chauffeur ist schon was Feines ;-). Der Lehrgang fand am 28. Dezember in Elpersbüttel statt und wurde vom Kaishindo Honbu Dôjô Windbergen unter Leitung von Jörg Zydek ausgerichtet. Obwohl es sich nur um eine eintägige Veranstaltung handelte, versprach diese sehr interessant zu werden.

In einem ersten etwa zweieinhalbstündigen Trainingsblock beschäftigten sich die Übenden zunächst unter Anleitung von Kester M. Peters, dem Chief-Instructor der Protection Academy, mit Notwehr und Nothilfe, traditionellem Messerkampf und traditionellem Stockkampf. Der deutliche Schwerpunkt lag dabei auf dem Umgang mit dem Messer. Die Anwesenden hatten hierzu Plaste-, Gummi- oder Aluminium-Übungswaffen mitgebracht.
Peters-Sensei legte großen Wert auf den rechtlichen Hintergrund. Sehr gut fand ich, dass er die Übungswaffen zu Trainingsbeginn prüfte, um Verletzungen zu vermeiden. Eine anschauliche Demonstration mithilfe einer Gurke, eines Stückchens Leder und eines Holzbrettes zeigte besonders den anwesenden Kindern und Jugendlichen, wie gefährlich die Waffe „Messer“ sein kann und dass selbst im Haushalt vorsichtig mit dem Gerät umzugehen ist.
Das Training beschränkte sich auf die Vermittlung von sechs verschiedenen Messerangriffstechniken, die zunächst in Grundschulform und später mit dem Partner geübt wurden. Ebenfalls vermittelt wurden entsprechende Abwehrtechniken, inklusive Würfen und Hebeln. Ich persönlich habe zuvor noch nie mit einem Messer trainiert, so dass es sich quasi um eine Waffenpremiere handelte. Obgleich es sehr interessant war, mit einem Gegenstand zu üben, von dem ich annahm, ihn vom alltäglichen Gebrauch her zu kennen und zu beherrschen, überraschte mich doch die Vorsicht, mit der das Messer zu handhaben ist – allein, um sich nicht selbst zu verletzen. Eine unaufmerksame Sekunde und man fasst in die Klinge oder berührt diese anderweitig und schneidet sich damit selbst.
Ich habe festgestellt, dass das Messer zwar eine alltägliche, nicht jedoch meine Waffe ist. Auch muss ich gestehen, dass ich besonders einige (Bestandteile der) Abwehrtechniken im Ernstfall nicht anwenden würde. Instinktiv boten sich teilweise schnellere und effizientere Block- und Gegenangriffstechniken an, die ich persönlich bevorzugen würde. Ich habe mir auch ernsthafte Gedanken darüber gemacht, ob und wie sinnvoll es ist, einem Messer mit bloßen Händen entgegenzutreten und bin zu dem Schluss gekommen, den Gegner, sofern er noch im Besitz des Messers ist, möglichst auf Abstand zu halten.
Peters-Sensei sprach von den drei Distanzen: der kurzen (Nah- bzw. fast schon Ringkampf), der mittleren (Arm- und Beintechniken) und der langen. Für die lange empfahl er „den schmalen Fuß“ oder, wie es bei uns so schön heißt, die Füße in die Hand zu nehmen, also so schnell wie möglich wegzulaufen. Ich würde in jedem Fall versuchen, so schnell wie möglich eine große Distanz zum Messer herzustellen. Auch sollte man nie vergessen, um Hilfe zu rufen. Ich glaube, dass ein Kampf gegen einen bewaffneten Gegner in beinahe jedem Fall ein ungleicher Kampf ist, dem ich zu entgehen suchen würde. Es ist keine Schande, sich einzugestehen, der Schwächere zu sein. Manchmal zählt nicht Heldentum, sondern einfach nur das Leben. Es ist das kostbarste Gut, das wir haben. Mit bloßen Händen gegen Messer und Schusswaffen anzutreten, wäre eine Entscheidung, die ich nur im Angesicht des Todes treffen würde.


Auf eine abschließende Übung mit dem Kurzstock folgte das Kata-Training mit Stephan Yamamoto, auf das ich mich schon sehr lange gefreut hatte. Pusteblume und ich durften trotz unserer eigentlich zu niedrigen Graduierung daran teilnehmen und wurden so von dem alternativ laufenden Selbstverteidigungstraining befreit. Bereits die Erwärmung stellte für mich eine Trainingserfahrung der besonderen Art dar. Bislang habe ich mich eher durch aktive Bewegung erwärmt, Stephan jedoch ließ uns Übungen aus dem Shiatsu zur Erwärmung und Aktivierung der verschiedenen Meridiane machen, die in Form von Dehnungen eher passiver Natur waren.
Daran schloss sich Kihon an: Oi-Tsukis und Mae-Geris im Stand. Dann folgte etwas Idô in Form von Shuto-Uke. Die Kata „Heian Shodan“ sollte einen Einstieg in das Üben von Katas geben, allerdings war diese einem großen Teil der anwesenden Braun- und Schwarzgurte unbekannt. Mich hat das sehr verwundert, um nicht zu sagen bestürzt. Mir war bewusst, dass die meisten Leute dort Mitglieder der I.M.A.F sind, aber ich nahm an, dass bestimmte Katas auch ihnen bekannt wären, zumal die Heian Katas Basiselemente der höheren Katas enthalten und hervorragende Übungskatas darstellen. Taikyoku Shodan diente schließlich als Ersatz und eignete sich ausgezeichnet dazu, die Shômen- und Hanmi-Stellungen in der korrekten Ausführung zu üben.
Und dann kam Sôchin, eine der „Meisterkatas“. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich mich darum nie gerissen, zumal mir Sôchin- bzw. Fudo-Dachi bis drei Tage vor dem Training im wahrsten Sinne nicht geläufig war. Die Kata selbst hatte ich Ende November bei einem Lehrgang in zwanzig Minuten durchrennen dürfen, ohne zu wissen, was ich da eigentlich tue. Um besser vorbereitet zu sein, bat ich einen befreundeten Senpai, die Kata in dessen Weihnachtsspezialtraining etwas ausführlicher durchzunehmen. Für dieses besondere Training bin ich immer noch sehr dankbar. Es erlaubte mir, mich bei Stephan mehr auf die Technik als auf den Ablauf zu konzentrieren – und das war nötig.
Stephan übte zunächst die Bein- und Fußstellung mit uns, bevor er die Kata abschnittweise durchging. Ich war so froh, zumindest grob zu wissen, wohin ich musste und welche Bewegung die kommende sein würde. Die übrigen Braun- und Schwarzgurte hatten damit sehr zu kämpfen. Natürlich ging die Zeit viel zu schnell vorbei, aber wir schafften es trotzdem. Für einen späteren Lehrgang wünsche ich mir Wiederholung, Vertiefung und Bunkai bzw. Ôyô.

Nach dem Training zogen alle Interessierten in eine benachbarte Gaststätte um, wo Peters-Sensei einen Vortrag zum Waffenrecht sowie den grund- und strafrechtlichen Bestimmungen zum Tragen von Waffen, zu Nötigung, Erpressung, Körperverletzung und vielen weiteren damit zusammenhängenden Dingen hielt. Mir persönlich erschienen die angegebenen Strafmaße (im Schnitt etwa zwischen einem und 5 Jahren) durchweg allerdings sehr niedrig.
Von weitaus höherer persönlicher Relevanz war für mich der sich anschließende Vortrag von Stephan, in dem dieser über Saho, die Etikette im Dôjô, referierte. Es gab sehr viele Einblicke in Tradition und Zusammenhänge, die die Hintergründe für bislang unreflektiert ausgeführte Tätigkeiten darstellen und diesen damit Bedeutung und Leben einhauchen. So wurde darüber gesprochen, was Etikette überhaupt ist, wie man korrekt grüßt, wie ein Dôjô aufgebaut ist, welche Rangordnung es gibt und vieles mehr. Wert wurde auch auf die korrekte Aussprache der Begriffe gelegt. Wie wichtig diese ist, wird klar, wenn man weiß, dass ein Sensei (hinten mit „ej“) ein Lehrer und ein Senzai (hinten mit „ei“) ein Waschmittel ist. Eine positive persönliche Überraschung für mich war deshalb, dass in meinem Dôjô die japanischen Ausdrücke annähernd korrekt verwendet und ausgesprochen werden. Danke Sensei, für Dein persönliches Engagement diesbezüglich.

Arigato gozaimashita für die neuen Einblicke und den lehrreichen Tag!

nanna

Doppel-Lehrgang in München

Am 16. und 17. Dezember fand in München ein Karate-Lehrgang mit Ishikawa-Sensei statt. Der japanische Meister ist Träger des 8. Dan und zweifellos eine Koryphäe auf seinem Gebiet. Pusteblume und ich hatten schon drei Monate im Vorhinein beschlossen, nach München zu fahren und am Lehrgang teilzunehmen. Unser Ziel dabei war, nicht nur ein erstklassiges Training zu genießen und neue Anregungen zu bekommen, sondern auch Michael, den Ausrichter, zu besuchen und mit unserem Erscheinen zu überraschen.
Für mich persönlich stellte sich ein kleines Problem. Ratschke-Sensei, bei dem ich selbst trainiere, gab zur selben Zeit in derselben Stadt einen Lehrgang. Ich wollte ihm nicht zufällig in München begegnen, ohne seinen Lehrgang besucht zu haben, so dass ich ihn in unser Vorhaben einweihte, uns Anregungen von der „Konkurrenz“ holen zu wollen. Natürlich hatte er nichts dagegen und so stand dem Unterfangen nichts mehr im Wege.

Wir starteten bereits am Freitag, dem 15. Dezember, um nicht mitten in der Nacht aufbrechen und quasi aus dem Auto ins Training fallen zu müssen. Außerdem war da ja noch unsere Überraschung für Michael, der nichts von unserem Erscheinen wusste. Wir hatten ihm und seiner Familie ein Lebkuchenhäuschen gebastelt und wollten gern als persönlicheren Übergaberahmen das Freitagstraining in seinem Dôjô nutzen. Wir kamen viel zu früh an und bezogen zunächst die Unterkünfte. Aufgrund einer Falschauskunft landeten wir immer noch zu früh in der Turnhalle und hatten so die Möglichkeit, das Kinder- und Anfängertraining zu beobachten. Belustigt musste ich feststellen, dass es auch in München problematisch ist, die kleinen Unruhestifter im Zaum zu halten und dazu zu bewegen, dass zu tun, was man ihnen sagt. Kinder sind eben Kinder.

Unsere Überraschung glückte und Michael freute sich, uns zu sehen. Ich habe sein Training zum wiederholten Male sehr genossen und bemühte mich, die zahlreichen Tipps umzusetzen. Ein fordernder und kritischer Trainer ist ein guter Trainer. Es gab von allem etwas: Kihon, Kata und Kumite. Wer mich kennt, weiß, wie sehr ich Kumite „liebe“. Aber ich bemühe mich … naja, wohl mehr schlecht als recht :’-(. Und dann durfte ich im krönenden Finale auch noch gegen Michael persönlich antreten. Ich wäre lieber im Erdboden versunken.
Aber auch das ging vorbei und danach gab es für uns eine Überraschung. Auf der Empore standen André und einige seiner Kôhai. André ist ein Trainingspartner aus alten Zeiten, den es mittlerweile nach Leipzig verschlagen hat. Die Wiedersehensfreude war groß. Alle zusammen gingen lecker Essen. Ishikawa-Sensei und Marie Niino waren ebenfalls zu uns gestoßen und ließen sich die bayerischen Köstlichkeiten mit uns schmecken.

Am Samstag und Sonntag dann fand der Lehrgang statt. Auch ich kann mich dem allgemeinen Konsens darüber nur anschließen, dass die Organisation super funktionierte. Für diejenigen, die in der Halle übernachtet hatten, begannen die Morgen jeweils mit einem gemeinsamen Frühstück, auf das das Training folgte. Eine Eigenheit Ishikawa-Senseis ist es wohl, dass seine Trainingseinheiten mindestens zwei Stunden umfassen. Ich war sehr schnell froh darüber, mich vorher bereits erwärmt zu haben – und das, obwohl Marie Niino die offizielle Erwärmung übernahm.

Ishikawa-Senseis Training war … nunja … gewöhnungsbedürftig. Deutlich zu erkennen waren die Einflüsse von Asai-Sensei, seinem Meister. Es fällt mir sehr schwer, verständlich zu beschreiben, was wir in den insgesamt beinahe sieben Trainingsstunden geübt haben. Meiner Meinung nach war es eine Vorstufe für Kihon und damit auch Kata sowie Kumite. Es handelte sich im Grunde genommen um gymnastische Übungen, die langsam zu Grundschulformen ausgebaut wurden.
Die Übungen hatten es in sich und ich möchte nicht behaupten, dass alles, was Ishikawa-Sensei vorführte und verlangte, wirklich „gesund“ war. Es gab mehr als eine Übung, deren tatsächlichen Sinn ich nicht verstand und deren Ausübung mir Probleme bereitete. Ausführungsprobleme zeigten sich aber durch alle Altersklassen und Graduierungen hindurch. Der Sensei bat immer wieder Schüler nach vorn, um sie vor allen anderen zu korrigieren. Teilweise durften auch zwei Schüler in einer Art Wettkampf gegeneinander antreten. Diese Methode hat mir nicht gefallen, weil die Trainierenden auf unfeine Art vorgeführt wurden. Um jemanden auf seine Fehler hinzuweisen, bedarf es solcher Methoden nicht. Ich glaube, dass es unter den etwa einhundert Anwesenden sowieso keinen einzigen gab, der alle Übungen zur Zufriedenheit des Meisters hätte ausführen können.
Trotzdem brachte mir das Training viel. Besonders in körperlicher Hinsicht habe ich meine Grenzen schnell ausloten können. Ich werde an einigen Dingen arbeiten, ganz besonders Dehnungen verbessern und gezielt Kraft aufbauen. Mir ist allerdings auch klar, dass ich nicht den drahtigen Körperbau eines schätzungsweise zwanzig Kilogramm leichteren Japaners habe – auch wenn er doppelt so alt wie ich sein mag. Das bedeutet, dass ich niemals alle Dinge perfekt beherrschen kann, die Ishikawa-Sensei von mir verlangt. Auch meine Knieverletzung wird mich dauerhaft davon abhalten. Neue Trainingsziele, denen anatomische Eigenheiten nicht im Weg stehen, sind jedoch weiterhin, die Hüftarbeit, Koordination und vor allem Geschwindigkeit zu verbessern.
Im abschließenden Training wurden die Grundübungen zu einer Kumiteform ausgebaut. Die Braun- und Schwarzgurte durften ihre Übungen vorführen, während die restlichen Farbgurte – wofür ich sehr dankbar war – dabei zusahen. Weniger dankbar war ich dafür, als Blaugurt von der Kata-Vorführung ausgeschlossen zu sein. Die Braungurte zeigten Bassai Dai und Jion, die ich beide kannte, der ein oder andere Betroffene offenbar jedoch nicht, und die Schwarzgurte Sôchin und Gojushiho Sho. Persönlich hätte ich es besser gefunden, wenn Ishikawa-Sensei nachgefragt hätte, wer die entsprechenden Katas kennt und diese unabhängig von Graduierungen hätte üben lassen. Dies war nun mein erster Lehrgang völlig ohne Kata.

Aber es gab ja noch den zeitgleichen Lehrgang mit Ratschke-Sensei. Ein Blick in die Ausschreibung und die Programmierung des Navigationssystems zeigten, dass nur die ersten beiden Trainingseinheiten am Samstagmorgen so eng lagen, dass sie nicht beide gemeistert werden konnten. Das Gespräch mit André und seinen Leuten weckte deren Interesse, so dass wir am Samstag nach der zweiten Ishikawa-Einheit noch zu meinem Sensei fuhren. Dieser war sehr überrascht und freute sich, uns zu sehen. Vielleicht als Dankeschön gab es prompt die Kata „Jitte“ – und zwar mit Bunkai. Es war nicht ohne, nach den viereinhalb Ishikawa-Stunden noch zwei Ratschke-Stunden durchzustehen, aber es lohnte sich wirklich. Sensei gab mir viele hilfreiche Tipps und ich freute mich riesig, doch noch zu meiner Kata gekommen zu sein. Die zweite Trainingseinheit bei ihm am Sonntagmittag brachte viel Kihon in Form von Prüfungsprogrammen sowie ein wenig Kumite. Auch hier nahm er sich wieder viel Zeit, jeden einzelnen zu korrigieren und in familiärer Atmosphäre Hinweise zu geben und Korrekturen durchzuführen.

Den Samstagabend verbrachten wir auf dem Münchner Weihnachtsmarkt und daran anschließend im „Augustiner“. Das Essen war wiederum vorzüglich, die Bedienung leider nicht. Mit vollem Magen und zu später Stunde zogen wir erneut durch die Stadt und wurden in Stadtgeschichte und Sehenswürdigkeiten eingeführt. München hat wirklich viel zu bieten und ist einen Besuch wert. Es lohnt sich, Zeit mitzubringen, um die Vielfalt auch nur annähernd erfassen zu können.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es ein anstrengendes, lehr- und erfahrungsreiches Karate-Wochenende war. Ich habe in eineinhalb Tagen schätzungsweise zehn Stunden trainiert und keine Minute davon bereut, obgleich mir nicht jeder Sinn gewahr wurde. Es gab glücklicherweise keine Muskelkater und keine Wadenkrämpfe, was mich der Überzeugung näher brachte, langsam meine alte Form wiederzuerlangen. Ich hatte viel Spaß im Training, aber auch sehr ernüchternde und desillusionierende Momente. Besondere Freude empfand ich darüber, bestimmte Leute wiedergesehen, andere überrascht und wieder andere kennengelernt zu haben. Mein besonderer Dank gilt den Senseis Ishikawa, Ratschke und Schölz. Es war nicht wirklich schön mit Euch, aber dafür gut *verneig*. Arigato gozaimashita! Und … München, ich liebe Dich!

nanna

Samstag, Dezember 30, 2006

Das kleine Einmaleins des Waschens für den Mann

Vor ein paar Tagen rief mich ein Freund an. Er hatte sich erst kürzlich von seiner Lebensabschnittsgefährtin getrennt und nun erkannt, dass das Zusammenleben neben diversen Einschränkungen auch Freiheiten verschaffte. In seinem Fall waren die im Haushalt anfallenden Tätigkeiten strikt getrennt. Er kochte, sie schmiss den Rest des Haushalts. Und vor allem wusch und bügelte sie die Wäsche. Da er nun auf diesen Service nicht mehr zurückgreifen konnte, sah er sich einer Herausforderung gegenübergestellt, die ihn zunächst überforderte. Wenn er nicht Unsummen in einem Waschsalon ausgeben wollte, musste er selbst waschen – aber wie? Wir lösten das Problem am Telefon. Diese Anekdote veranlasste mich allerdings, hier für alle ebenfalls Betroffenen, Neugierigen, Abenteuerlustigen, Hartgesottenen, Unverbesserlichen und auch Männer, die ihrer Frau ein besonderes Geschenk zum Jahrestag machen wollen, eine kleine Einführung in die hohe Kunst des Waschens zu geben.

1. Man sammelt Wäsche.
Das Wäschewaschen kostet Energie und Wasser, deshalb werfen wir die Waschmaschine nicht für ein einzelnes Paar Socken an. Wir bemühen uns immer, sie voll zu machen.

2. Man kontrolliert die Hosentaschen.
Bevor irgendein Kleidungsstück in die Waschmaschine wandert, wird es grundsätzlich einer ersten Sichtkontrolle unterworfen. Grober Schmutz wird aus- oder abgeklopft, Flecken und Kragenschmutz mit Flecken- bzw. Vorwaschmittel behandelt und – was wirklich wichtig ist – die Hosen- und Jackentaschen kontrolliert und geleert. Ein vergessenes Tempo-Taschentuch hat schon für so manche böse Überraschung und übel verfusselte Wäsche gesorgt.

3. Man trennt Wäsche nach Stoffen.
Prinzipiell gibt es Stoffe, die nur gereinigt werden dürfen. So etwas erkennt man am Etikett in der Innenseite des Kleidungsstücks. Meist ist dieses in der linken Naht eingenäht. Dort kann man zum einen ablesen, um was für einen Stoff es sich tatsächlich handelt und zum anderen, bei wie viel Grad das Kleidungsstück gewaschen werden darf. Zusätzlich sind Informationen für die chemische Reinigung und das Bügeln angegeben.
Die meisten Stoffe sind bei 30 oder 40 Grad problemlos waschbar. Bekleidung aus reiner Baumwolle (100 Prozent Cotton) darf auch heißer gewaschen werden. Farbige Stücke bei 60 Grad (aber Achtung, die Farben leiden oft darunter) und Weißes sogar bei 90/95 Grad. In die Reinigung gehören Anzüge, Mäntel und für Männer auch Kleidungsstücke aus Seide oder Wolle.

4. Man trennt Wäsche nach Farben.
Viele Menschen haben einen einzigen Waschkorb, in dem sie die ganze Schmutzwäsche sammeln. Das ist zwar platzsparend, aber in gewisser Weise auch uneffektiv. Unseren Hausmüll trennen wir ja auch. Wäsche muss nämlich auch sortiert werden, weil die Farben oftmals nicht „farbecht“ sind. Wer sich einmal die Weißwäsche rosa verfärbt hat, weil eine rote Kindersocke dummerweise dazwischengerutscht ist, weiß um den Ärger und darum, dass der Vorgang unumkehrbar ist. Weil man im Vorhinein nicht ahnen kann, welche Kleidungsstücke ihre Farbe halten und welche nicht, sollte man das Vorsortieren ernst nehmen.
Je öfter man Bekleidung wäscht, umso unwahrscheinlicher wird es zwar, dass sie abfärbt, Farbtrennung ist jedoch trotzdem eines der obersten Gebote des Waschens. Zu empfehlen ist eine Vier-Trennung in weiße Kochwäsche, helles Buntes (weiße Nicht-Kochwäsche, beige, natur), buntes Buntes (rosa, hellblau, hellgrün, kräftiges Gelb) und dunkles Buntes (schwarz, braun, dunkelblau, dunkelgrün, kräftiges Rot). Gibt es sehr viel Schwarzes, so kann man auch eine Maschine reines Schwarz ansetzen und ein Waschmittel hinzugeben, das speziell für Schwarzes konzipiert ist und diese Farbe besonders schont.

5. Man füllt die Maschine.
Dies ist ein Punkt, der scheinbar keine explizite Erwähnung finden sollte. Leider zeigt die Realität, dass es auch hier durchaus zu Fehlern kommen kann. Obwohl wir uns nämlich bemühen, die Maschine voll zu machen, machen wir sie nicht zu voll! Zunächst sollte beachtet werden, dass Waschmaschinen für unterschiedliche Kilogrammzahlen ausgelegt sind. Ob die Maschine 3, 5 oder 6 Kilogramm Wäsche bewältigen kann, geht aus der Bedienungsanleitung hervor.
Außerdem muss die Wäsche Platz haben, sich zu entfalten. Das Wasser sollte zirkulieren und alle Stellen erreichen können. Ein einfacher Trick hilft dabei, das richtige Befüllungsmaß zu finden. Hierzu befüllt man die Maschine ganz einfach und drückt dann mit der Hand auf den Wäscheberg in der Trommel. Die Wäsche sollte noch nachgeben und vielleicht ein Viertel bis ein Fünftel Luft lassen.

6. Man wählt ein Waschprogramm.
Ein erster Blick auf den oder auch die Regler einer Waschmaschine überfordert viele zunächst. Keine Sorge, ein paar Dinge können wir zunächst einfach außer Acht lassen. So entfallen die Programme für Wolle und auch Feines, sowie die Einstellungen für den Wäschetrockner, sofern ein solcher in der Maschine integriert ist. Auch hinsichtlich des Schleuderns muss zunächst keine Einstellung vorgenommen oder geändert werden, weil das Waschprogramm diese normalerweise enthält.
So bleibt nur noch übrig, die Art der Wäsche und die Gradzahlen zu wählen. Unterschieden wird meist nach Buntwäsche und Feinem. Wenn man obigen Anleitungen Folge geleistet hat, wählt man ein Programm für Buntes, ohne etwas falsch zu machen. Für wirklich Buntes entscheidet man zwischen 30 und 40 Grad. Für weiße Kochwäsche gibt es nur 90 bzw. 95 Grad. Will man diese Kleidung etwas schonen, stellt man 60 Grad ein.
Ganz wichtig ist, den Startknopf nicht vergessen zu drücken und in der Wohnung zu bleiben, solange der Waschvorgang nicht beendet ist. Geplatzte Wasserschläuche sind keine Seltenheit und größerer Schaden lässt sich nur vermeiden, wenn man dabeibleibt. Auch weibliche Unterwäsche birgt ein gewisses Gefahrenpotenzial. So lösen sich beispielsweise gern die Bügel aus den BHs und durchstechen die Trommel, um dann den Schleudervorgang zu blockieren. Je nachdem, wo sich der Bügel befindet und ob man selbst in der Lage dazu ist, ihn zu entfernen, kann es sich dabei auch um ein kostspieliges Vergnügen handeln. Deswegen an dieser Stelle ein weiterer Tipp: Bügel-BHs entweder per Hand waschen oder in verschließbare Leinensäckchen geben und dann erst in die Waschmaschine legen.

7. Man hängt die Wäsche auf.
Hierfür gibt es verschiedene Methoden. Meine Mutter beispielsweise hängt alles am Bund auf. Ich selbst benutze für Oberteile (außer Blusen) überhaupt keine Klammern, sondern hänge sie mittig über die Leine. Blusen und Hemden werden am unteren Saum aufgehängt. Platz- und klammernsparend ist es, das Kleidungsstück vor dem Aufhängen zu schließen oder zumindest so aufzuhängen, als wäre es geschlossen. Unterhosen hänge ich am Bund auf, Socken sortiere ich schon nach Paaren vor und klammere sie an den Strumpfspitzen fest. Hosen werden häufig am Bund aufgehängt, aber persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass sie ihre Passform besser behalten und häufig nicht mehr gebügelt werden müssen, wenn sie umgekehrt an den Hosenbeinen aufhängt werden.

8. Man legt die Wäsche.
Wenn die Wäsche trocken ist, wird sie abgenommen und zusammengelegt. Auch hierfür gibt es verschiedene Techniken. Eine komplexe Darstellung würde den Rahmen des Blogs sprengen, deshalb an dieser Stelle nur der Tipp, den Frauen einmal über die Schulter zu schauen, sich selbst kreativ zu betätigen und eine Legetechnik zu entwickeln, die die Größe des Schrankes optimal auszunutzen weiß. Wichtig hinsichtlich des Zusammenlegens ist nur, dass vermieden wird, unnütze Falten zu erzeugen.

Diese Einführung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und beruht vorwiegend auf eigenen Erfahrungswerten. Ich selbst wasche schon seit dem frühen Teenageralter meine Wäsche selbst, obwohl meine Mutter das auch heute noch für mich mittun würde. Ausschlaggebendes Erlebnis für die Entscheidung selbst zu waschen, waren diverse Kindheitserfahrungen mit meinen Lieblingskleidungsstücken. Ich erinnere mich, dass ich als Kind zwei Kunstpelzmützchen hatte – ein rotes und ein weißes. Das weiße mochte ich lieber, weil es mich weniger an Rotkäppchen und sein böses Schicksal erinnerte. Ich liebte es. Es verging kein Wintertag, an dem ich ohne diese Mütze das Haus verließ, bis es eines Tages der Kochwäsche anheim fiel. Meine Mutter hatte beim Vorsortieren nicht aufgepasst und es mitgekocht, woraufhin der Pelz verfilzte und die Mütze auf Puppenkopfformat schrumpfte. Ich heulte stundenlang und konnte nur mit dem Versprechen beruhigt werden, ein neues Mützchen derselben Art zu bekommen. Tja, Ihr ahnt es vermutlich schon *schräg Richtung Mutti schiel*: Ich warte noch heute auf diese Mütze! Endgültig war das Maß des guten Willens voll, als meine Lieblingsunterwäsche rosa statt weiß aus der Wäsche kam und diverse Pullover ungewöhnliche Farbgebungen aufwiesen. Mittlerweile geht es mir besser mit dem Wissen, für meine Wäsche selbst verantwortlich zu sein.

Da ich meine Erfahrungen gern teilen würde, möchte ich an dieser Stelle die geneigten Leser um Feedback bitten – besonders natürlich die männlichen. Ich habe dazu ein paar Fragen an Euch:
- Habt Ihr persönlich schon einmal Wäsche gewaschen?
- Habt Ihr Euch damit überfordert gefühlt (ehrlich ;-))?
- Ist Euch mit Eurer Wäsche schon mal ein Malheur passiert?
- Ist Waschen Frauensache?
- War dieser Beitrag hilfreich?

Nun bleibt mir nur noch übrig, Euch allzeit ein gutes Händchen für Eure Wäsche zu wünschen.

Übrigens:
Eine alte Volksweisheit besagt, dass das Waschen zwischen den Jahren Unglück bringt. Also zwischen den Festen Hände weg von der Wäsche ;-)!!!

nanna

Freitag, Dezember 22, 2006

Frohes Fest!

Meiner Familie, meinen lieben Freunden und den werten Lesern dieses Blogs wünsche ich von ganzem Herzen

ein friedvolles, ruhiges, entspanntes, glückliches und fröhliches Weihnachtsfest
.

Ich hoffe, der Weihnachtsmann bringt Euch, was Ihr verdient habt ;-). Feiert schön mit Euren Lieben und zeigt ihnen, was sie Euch bedeuten. Nutzt die Zeit, um vielleicht das eine oder andere Ärgernis aus dem Weg zu räumen und etwas befreiter ins neue Jahr zu gehen. Für dieses wünsche ich Euch

Gesundheit, persönliches Glück, beruflichen Erfolg, Zufriedenheit, Gelassenheit und dass Ihr es schafft, das eine oder andere, was Ihr Euch in der Silvesternacht vorgenommen habt, tatsächlich umzusetzen
.

Rutscht gut und sicher hinein und feiert auch da schön.
Fühlt Euch geknuddelt.

nanna

Freitag, Dezember 15, 2006

nannas kun

Du wirst einen Bottich voll Wasser nicht in
einem Zuge leeren können. Trinke langsam!

Sei höflich, zuvorkommend und rücksichtsvoll.
Gehe aufrecht durch das Leben!

Respektiere Deinen Gegner und lerne von ihm!

Optimismus und Motivation sind Deine Antriebskräfte.

Verzweifele nicht. DEN Weg gibt es nicht.
Finde Deinen eigenen!

Wer vorwärts kommen will, muss auch zurückblicken.

Instinkt ist manchmal nützlicher als Verstand.

Denke nicht an die Extremitäten! Denke an die Mitte!
(Agiere nicht zuerst mit Deinen Gliedmaßen,
sondern aus der Körpermitte heraus!)

Oberstes Ziel ist nicht Ästhetik, sondern Effektivität
der Technik und körperliches Wohlbefinden.

Strebe nach der eigenen Vervollkommnung,
nicht nach (sportlichem) Erfolg und fremdem Lob!

Fühle Dich geehrt, Dein Wissen weitergeben zu dürfen!

Der schwerste Kampf ist der innere. Fürchte ihn nicht!

Glaube nicht alles, was Du liest, hörst oder siehst.


nanna

Heiliger Abend

Eisige Blumen zieren die Scheiben,
an denen sich rote Kindernasen reiben.
Vorfreude steht in den runden Äugelein,
bald muss nun die große Bescherung sein.

Fröhliche Stimmen in den Räumen.
Niemand will den Moment versäumen,
in dem das Kupferglöckchen schallt,
sein heller Ton durch die Zimmer hallt.

Schnell ist die Familie zusammengekommen.
Jeder hat sein Päcklein entgegengenommen.
Raschelnd öffnen sich die bunten Papiere,
zum Vorschein treten herrliche Souvenire.

In den Augen strahlt leuchtender Glanz,
und kleine Hände finden sich zum Tanz.
Die schönen Gaben werden herumgereicht
und alle Herzen sind plötzlich so leicht.

Draußen fällt Schnee auf die Dächer leise,
erstickt sanft die drinnen gesungene Weise
und hüllt die Welt in weiß-gleißende Pracht.
Was für eine friedvolle, erhebende Nacht.

nanna

Donnerstag, Dezember 14, 2006

Nachtrag: Eine verrückte Unternehmung

Am gestrigen Abend bekam ich einen Anruf mit einer ernsten persönlichen Kritik. Diese bezog sich auf eine Formulierung, die ich nach Ansicht des Kritikers unbedacht gewählt hatte. Er meinte, er hätte mir einen anonymen Kommentar mit den Worten „Du bist doof“ geschrieben, wenn ich anonyme Kommentare nicht ab sofort unterbinden würde. Da ich für die Meinungsfreiheit bin, zitiere ich ihn an dieser Stelle und bemühe mich nachfolgend um Richtigstellung.

Es geht um den Beitrag „Eine verrückte Unternehmung“ vom gestrigen Tag. Im vorletzten Absatz erwähnte ich, dass ich auf dem Rückweg mit dem Zug einen Zwischenstopp in Mannheim machte, „um einen lieben Freund zu besuchen“. Dieser Freund beschwerte sich nun bei mir und bat um Korrektur der Wortwahl. Er meinte, das Adjektiv „lieb“ bezöge sich auf seine Person, ließe sie aber in einem falschen Licht erscheinen, da er nicht lieb sei. Ich sehe das nicht so, gestehe aber ehrlich, dass ich in diesem Fall an der deutschen Sprache scheitere. „Lieb“ ist hier als eine Bewertung meinerseits zu verstehen und soll die Wertschätzung ausdrücken, die ich der Person entgegenbringe. Korrekterweise hätte es vielleicht geheißen „einen mir lieben Freund“ oder vielleicht sogar „einen von mir geliebten Freund“.

Beide Formulierungen sind zutreffend, können aber jeweils nur einen Teil dessen ausdrücken, was ich für den Menschen empfinde, um den es geht. Weil ich ihn in gewisser Weise schützen wollte, habe ich eine eindeutige Wortwahl vermieden. Nun ist mir klar geworden, dass ihm diese Eindeutigkeit wichtig ist und ihn alles andere verletzt. Er ist der Mann, der erst vor kurzem die Tür von Virtualität zu Realität öffnete und meinen Alltag gehörig auf den Kopf stellt. Der Mann ohne (Kose)Namen, weil er mehr verdient als ein Allerwelts-Schatzi, -Hasi oder -Bärchen. Der Mann, an den ich denken muss, wenn er nicht bei mir ist, den ich vermisse, wenn ich ihn nicht höre oder sehe, in dessen Nähe ich jeden Atemzug genieße und zu dem ich mich in meinen einsamen Stunden sehne. Der Mann, mit dem ich mehr Zeit verbringen möchte, den ich gern besser kennen lernen würde, der den Schlüssel zu meinem Herzen in den Händen hält und vielleicht eines Tages in meiner Seele gehen wird. Er ist der Sonnenstrahl, der mich in der Kälte wärmt, die sanfte Brise, die mich in der Hitze kühlt, das Wasser, das meine Lippen benetzt, wenn mich dürstet, die Berührung, nach der sich mein Körper sehnt, die Herausforderung, die mein Geist liebt, mein Morgenrot, mein Regenbogen und meine Abenddämmerung.

Amore mio, Du bist nicht der „Tau am Morgen“ ;-) … sondern das Lächeln, das mich den ganzen Tag begleitet und die Schulter, an der ich so gerne lehne. Du bist der Partner, den ich mir wünsche. Kannst Du mir nun verzeihen?

nanna

Mittwoch, Dezember 13, 2006

Ausschluss anonymer Kommentare

Die Kommentare bereiten mir Kopfzerbrechen...
Es gibt in letzter Zeit anonyme Kommentare, was mir ehrlich missfällt. Bislang habe ich diese Kommentare zugelassen, weil ich der Meinung bin, dass wir uns Meinungsfreiheit und Zensurverbot zu hart erkämpft haben, um sie einfach so wieder zu ignorieren. Außerdem beinhalten diese Kommentare nichts, das eine Zensur rechtfertigen würde. Es war schwierig herauszufinden, warum mich diese Kommentare so stören. Ich denke, es sind hauptsächlich drei Punkte, die mit den Begriffen Vertrauen, Verantwortung und Nachvollziehbarkeit umrissen werden können.

Zum Thema Vertrauen:
Mir fällt es nicht leicht, all diese Dinge zu schreiben. Es kostet zum einen viel Zeit und persönliches Engagement, zum anderen aber auch Überwindung, persönliche Dinge, die Gedanken ja nun einmal sind, mit einer unbekannten Öffentlichkeit zu teilen. Da ich schon nicht nachvollziehen kann, wer meine Beiträge liest, möchte ich zumindest wissen, wer sie kommentiert und sich demzufolge näher mit ihnen beschäftigt. Wenn ich diese Personen persönlich kenne, ist es für mich auch leichter, das Geschriebene zu „interpretieren“ oder zu verstehen.

Zum Thema Verantwortung:
Ich übernehme Verantwortung, indem ich überlege, was ich veröffentliche und wie ich dies tue. Ich gebe jedem, der meine Beiträge liest, die Möglichkeit, sich dazu zu äußern oder in eine Diskussion einzusteigen. Mir ist bewusst, dass das, was dort geschrieben steht, nicht das Nonplusultra ist. Das kann es gar nicht sein und das soll es auch nicht! Mein Blog ist ein persönliches Tagebuch, das in erster Linie meine persönlichen Erlebnisse, Empfindungen und Gedankengänge widerspiegelt. Dass diese nicht das Wissen der Welt umfassen können, ist wohl klar. Meiner Verantwortung komme ich nach, indem ich kennzeichne, dass es sich um mein persönliches Gedankengut handelt, zu dem ich stehe. Was ich schreibe, ist mir im Moment der Veröffentlichung ernst und wichtig. Dass sich die Welt weiterdreht und sich Meinungen bzw. Standpunkte verändern, dürfte dabei wohl auch klar sein. Aber so wie ich Stellung beziehe, möchte ich auch, dass es die Verfasser der Kommentare tun. Steht zu Eurer Meinung und dem, was Ihr der Öffentlichkeit preisgebt! Kennzeichnet Eure Beiträge mit Namen. Mir ist völlig egal, ob Ihr dabei einen Nicknamen verwendet, aber benutzt zumindest für alle Kommentare denselben, damit diese einer Person zuordenbar sind.

Zum Thema Nachvollziehbarkeit:
Dieser Punkt schließt sich direkt an die Ausführungen zum Vertrauen an. Soll eine Diskussion ermöglicht werden, müssen die einzelnen Beiträge ihren Autoren zuzuweisen sein. Wenn mehrere Leute anonym kommentieren, ist dies nicht mehr der Fall und jede Reaktion unsinnig bzw. ausgeschlossen. Also bitte, liebe Kommentatoren, benutzt einen Namen! Ich werde anonyme Kommentare in Zukunft nicht mehr zulassen.

Und nun wird es Zeit, mich zu bedanken … für Euer Interesse, Eure Zeit, Eure Reaktionen, Eure Anregungen und Euren Mut, Eure Gedanken auch mit mir zu teilen. Ich freue mich auf den weiteren Austausch. Vor meinen Dô-Gefährten und Karate-Lehrern verneige ich mich. Besonderer Dank Euch … und ich habe weiterhin Bitten ;-).

nanna

Erweiterte Kommentarfunktion

Mein virtuelles Tagebuch stellt ein Instrument dar, um mit meinen Gedanken in gewisser Weise an die Öffentlichkeit zu gehen. Zunächst dachte ich dabei an eine eher eingeschränkte Öffentlichkeit. Ich wollte meine Erlebnisse und Reflexionen mit Freunden und Wegbegleitern teilen. Weil ich über die herkömmlichen Wege ein gelinde ausgedrückt miserabler Kontakthalter bin, hielt ich diese Art von Kommunikation für das geeignetste Mittel, interessierte Personen auf dem Laufenden zu halten. Blogs sind unverfänglich, zeit- und ortsungebunden. Auf diese Weise ist es mir möglich, Informationen einzustellen, wann und wo ich möchte. Die daran Interessierten können sie ebenfalls abrufen und kommentieren, wann und wo sie wollen. Dazu sind weder eine spezielle Software noch bestimmte Zugangsdaten Voraussetzung.

Als ich meinen Blog kreierte, musste ich mich entscheiden, wie öffentlich ich ihn nun tatsächlich machen wollte. Ich entschloss mich, keine Einschränkungen vorzunehmen, weil das Netz einen öffentlichen Platz darstellt, um Meinungen und Informationen auszutauschen. Vielleicht braucht oder sucht zufällig jemand die Information, die ich bieten kann, ohne dass ich denjenigen kenne. Also wollte ich niemanden ausschließen. Ich wollte mir zudem die Möglichkeit offen halten, interessante Leute kennen zu lernen und über den Blog neue Freundschaften zu knüpfen. Schließlich ist die Welt im Zeitalter der Kommunikationstechnologien zu einem globalen Dorf zusammengeschrumpft. Trotzdem bin ich nicht wirklich davon ausgegangen, dass viele Leute mein virtuelles Tagebuch lesen würden. Dass darunter auch noch Menschen sein könnten, die ich nicht persönlich kenne, habe ich mir zunächst gar nicht vorgestellt. Nur eine Handvoll Freunde kannte meinen Blog.

Plötzlich und nach so kurzer Zeit ändert sich alles. Verlinkungen erweitern den Bekanntheitsgrad und ich habe nicht einmal mehr eine vage Vorstellung davon, wie viele Leute meine Beiträge tatsächlich lesen … und vor allem, wer das ist. Auf der einen Seite macht es mich glücklich zu sehen, dass ein gewisses Interesse besteht, auf der anderen Seite beunruhigt es mich, die Kontrolle zu verlieren.

Ziel war von Anfang an, einen Austausch über die Kommentarfunktion zu erreichen oder vielleicht sogar Diskussionen anzuregen. Nachdem dies besser funktioniert, als ich es mir vorstellen konnte, stellen sich mir ganz merkwürdige Fragen:
Welche Funktionen hat ein Kommentar tatsächlich?
Darf ich ihn wieder kommentieren und wenn ja wie oft?

Betrachtet man den Kommentar als reine Feedback- nicht aber Diskussionsfunktion, wäre ein Gegenkommentar unangebracht. Eine der Regeln des Feedbacks ist ja, es „schweigend“ anzunehmen. Aber in den Kommentaren zu meinen Beiträgen ergeben sich neue Thematiken und Gesichtspunkte. Ich sehe Diskussionspotenzial in ihnen, das ich nicht ungenutzt im Raum stehen lassen möchte. Und es schleichen sich auch mal Fehler oder Irrtümer ein, übrigens auf beiden Seiten, also auch in meinen Beiträgen, die ich gern erkannt und berichtigt wissen möchte. Schließlich will ich mich austauschen und weiterbilden und erhoffe dasselbe vom geneigten Leser.

Deshalb folgender offizieller Beschluss:
Kommentare dürfen kommentiert werden!
Ich werde das wie folgt handhaben: Ihr als Leser kommentiert weiterhin wie gehabt, gern auch bereits existente Kommentare. Dabei solltet Ihr aber einen klaren Bezug zu dem Text schaffen, auf den Ihr Euch bezieht. Sollten Eure Ergüsse sehr umfangreich sein, bitte ich Euch, mich persönlich zu kontaktieren, dann werde ich mir etwas einfallen lassen. Sehe ich persönlich Diskussionsbedarf, greife ich die Thematik in einem neuen Beitrag auf, so dass ein konkreter „Thread“ entstehen kann. Schreibt jemand häufig und viel, kann ich ihm vielleicht sogar spezielle Schreiberechte einräumen.

Also: Haut in die Tasten!!!

nanna

Erhöre mich

Höre mich.
Sieh mich.
Rieche mich.
Schmecke mich.
Spüre mich.

Deine Sinne,
nutze sie.
Meine Sinne,
errege sie.

Finde mich.
Begehre mich.
Erhebe mich.
Verehre mich.
Ergänze mich.

Deine Gefühle,
teile sie.
Meine Gefühle,
erwecke sie.

Betöre mich.
Verkläre mich.
Verstöre mich.
Verheere mich.
Erhöre mich.

nanna

Eine verrückte Unternehmung

Anfang dieses Jahres fand ich ihn wieder: einen Geschenk-Gutschein aus dem Jahr 2003 für eine Shiatsu-Massage in den Schwaben-Quellen in Stuttgart. Beinahe war er in Vergessenheit geraten. Weil es sich um ein herzliches Geschenk von lieben Freunden handelte, wollte ich ihn unbedingt noch einlösen, bevor er zum Jahreswechsel verfällt. Spontan erklärte sich eine Stuttgarter Bekannte bereit, mich zu begleiten. Wir machten einen Termin aus, der auf gestern morgen fiel. So weit, so gut. Nun lebe ich ja nicht gerade in Stuttgarts näherer Umgebung, womit sich die Frage des Transports stellte. Altbewährter Weise entschloss ich mich, eine Mitfahrgelegenheit zu nutzen. Leider fand ich nur eine für die Hinfahrt. 15 Euro, dreieinhalb Fahrstunden und drei nette Reisebegleiter später kam ich gestern mitternächtens in Stuttgart an. Schließlich wollte ich nicht zu viel Zeit für das Massage-Unternehmen opfern. Ein lieber Freund hatte sich ganz kurzfristig bereit erklärt, mich für die Nacht aufzunehmen und mich sogar am Hauptbahnhof abgeholt.

Gestern früh traf ich dann meine Bekannte und wir machten eine halbe Stadtrundfahrt, um in das berühmte SI-Zentrum zu kommen, das auch die Schwaben-Quellen und den Vita-Parc beherbergt. Meine Bekannte hatte sich für eine „Hot-Chocolate“-Behandlung entschieden, während ich bedingt durch die Erkrankung des Shiatsu-Therapeuten auf die „Aurora“-Anwendung umschwenkte. Während wir warteten, kam ein blinder Masseur an uns vorbei, was uns zu Spekulationen über unsere Therapeuten hinriss. Meine Bekannte meinte, ein blinder Masseur wäre ideal, weil sie als Frau mit nicht gerade Modell-Maßen sich bei ihm wohler fühlen würde. Ich scherzte und entgegnete, dass bei mir zum Verwöhnprogramm auch die Befriedigung des Auges gehört und ich einen Masseur im Adonis-Körper erwartete. Nicht lange darauf wurden wir kurz nacheinander von unseren Therapeuten abgeholt. Meine Bekannte bekam anstelle des blinden Masseurs eine Frau zugewiesen und ich statt des erträumten Adonis den blinden Masseur ;-).

Er führte mich ein winziges, halbdunkles Kämmerlein und hieß mich meinen Bademantel abzulegen. Plötzlich war auch ich glücklich, dass er blind war. Es ist gar nicht so einfach, sich völlig nackt dem anderen Geschlecht zu präsentieren. Es gehört viel Vertrauen dazu, weil man sich sonst unwohl fühlt. Nachdem ich mich auf die Massage-Bank gelegt hatte, bedeckte er meinen Unterkörper mit einem Tuch. Dann widmete er sich zunächst meinem Rücken - seitenweise. Drei Handgriffe und ich war geschmolzen. Ich schloss die Augen und lauschte den sanften, meditativen Klängen des CD-Spielers, dem Geräusch der überlauten Lüftung, dem Klingeln des Telefons an der Rezeption und den Gesprächen vor der Tür. Ich war überrascht, wie sicher sich mein sehbehinderter Masseur in seinem kleinen Reich bewegte und vor allem, wie sicher und gezielt er seiner Tätigkeit nachkam. Er hat keinerlei Probleme damit, die Tücher oder Stützen richtig zu platzieren oder das Öl zielsicher aufzutragen. Nach wenigen Minuten hatte er mein momentane Schwachstelle erspürt und widmete sich besonders meiner linken Schulter. Dann bedeckte er meinen Oberkörper und wandte sich der Rückseite meiner Beine und den Füßen zu. Und das, wo ich doch ein furchtbar kitzliger und alberner Mensch bin! Aber meine ursprüngliche Befürchtung, diese Berührungen nicht ertragen zu können, zerstreuten sich sehr schnell. Mein Therapeut wusste, wie er mich anzufassen hatte. Nach der Rückseite der Beine war die Vorderseite derselben an der Reihe. Daran schlossen sich Bauch, Arme und Hände an. Ich wünschte, er würde ewig weitermachen und stellte fest, dass es mir schwer fallen würde, mich wieder von der Liege zu erheben.

Nachdem die Massage beendet war, trug er ein Ganzkörper-Peeling auf. Ein komisches Gefühl. Plötzlich dieses schrubbende Gefühl auf der Haut. Den Ellbogen und Knien widmete er sich besonders. Nach insgesamt sechzig Minuten war das Vergnügen vorbei. Ich durfte den Sand des Peelings abduschen und war entlassen. Danke, Thomas. Es war sooo schön…
Meine erste Ganzkörpermassage. *seufz* Ich will mehr!!! Ich kann so etwas wirklich nur empfehlen. Und Leute: Es ist wirklich ein Unterschied, ob Euch ein Amateur oder ein Profi massiert! Auch, wenn es sich für meine Begriffe um ein beinahe übermäßig teures Vergnügen handelt, das ich mir persönlich wohl äußerst selten gönnen würde. Meine Begleiterin war ebenfalls völlig überzeugt und wünscht sich zum nächsten Anlass wieder ein Verwöhnprogramm. Ihre Hot-Chocolate-Anwendung war zwar eher eine Schönheitsbehandlung statt einer Massage, aber auch sie hat das Prozedere sehr genossen. Das völlig neue Hautgefühl danach besonders. Übrigens kann man diese Schokolade leider nicht essen. Für die Anwendung wird sie mit Stoffen versetzt, die sie ungenießbar machen und auch „roh“, ist der Kakao-Gehalt so hoch, dass sie einfach nur widerlich bitter schmeckt. Ich durfte probieren :-).

Was mich während der Massage bewegt hat, war die Frage, wie mein Masseur meinen Körper wahrnimmt. Ich hatte das unbestimmte Gefühl, er könne die Aura spüren und die Verspannungen bzw. Problemstellen „sehen“. Ich wollte ihn danach fragen, aber ich war so weit weg, dass ich den Mund einfach nicht aufbekam. Im Nachhinein bedaure ich es beinahe. Ich habe das unbestimmte Gefühl, er hätte mir mehr über mich, meinen Körper und dessen Bedürfnisse erzählen können als jeder Orthopäde oder Physiotherapeut. Außerdem wäre ein solches Gespräch dahingehend wertvoll gewesen, unseren blinden Mitmenschen und deren Wahrnehmung und Verständnis der Welt ein Stückchen näher zu kommen.

Nach dem entspannenden Erlebnis im SI-Zentrum ging es direkt zum Hauptbahnhof. Für den Rückweg hatte ich keine Mitfahrgelegenheit gefunden und konnte mich am Fahrkartenschalter eines Schmerzenslautes nicht verwehren, als mir die freundliche Verkäuferin ein Ticket für 37 Euro verkaufte. Dieses war durch die BahnCard50 bereits um die Hälfte des Normalpreises reduziert! Hinwärts hatte ich weniger als die Hälfte davon gezahlt und war über eine Stunde schneller, ohne mir einen Platz suchen oder umsteigen zu müssen. Liebe Bahn: Das ist einfach zu teuer!!! Bahnfahren wird immer mehr zum Privileg der Leute, die es sich leisten können. Das kann nicht das Unternehmensziel sein!!! Hätte ich in Mannheim nicht einen einstündigen Zwischenstopp gemacht, um einen lieben Freund zu besuchen, hätte ich meine Verbindung gar nicht halten können und schon dort meinen ersten Anschlusszug aufgrund von Verspätungen verpasst. Ich wäre also durch Verspätungen eine Stunde später gewesen und damit von Stuttgart nach Erfurt fast sechs Stunden unterwegs. Für diesen Preis ein Unding! So verkürzte sich nur mein geplanter Aufenthalt, so dass mich das Schicksal noch mit einer Ex-Kommilitonin zusammenführte, worüber ich mich sehr freute. Das Leben bietet so viele Überraschungen…

Zusammenfassung:
75-Euro-Gutschein plus 1-stündiges-Vergnügen der besonderen Art minus 75-Euro-Gesamtaufwendungen minus 10-Stunden-Gesamtfahrtaufwand ist gleich eine verrückte Unternehmung.

nanna

Dienstag, Dezember 05, 2006

Graduierungen sollten verdient werden

Im Karate bin jemand, der sich nicht um die nächste Gürtel-Prüfung reißt, weil es mir wichtig ist, mir meine Graduierung „zu verdienen“. Aber ich habe jetzt schon von verschiedenen Schwarzgurten gehört, dass Farbgürtel noch keine oder eben nicht die Bedeutung hätten. Auch zum Lehrgang am vergangenen Wochenende äußerte sich einer der Senseis wieder dahingehend. Ich finde das nicht in Ordnung. Wozu wurden die Graduierungen eingeführt, wenn sie willkürlich vergeben werden oder ihnen nicht die Bedeutung zugemessen wird, die sie haben sollten?

In Anbetracht dessen und der Tatsache, dass es teilweise erhebliche qualitative Unterschiede hinsichtlich sowohl einzelner Techniken als auch des allgemeinen Könnens von Schülern innerhalb einer Graduierung gibt, könnten wir darüber nachdenken, das Farbgurtsystem wieder abzuschaffen. Dann wären wir dort, wo Karate einmal begonnen hat und was sollte daran falsch sein? Ich tausche meinen blauen gern wieder gegen einen weißen Gürtel…

Am Wochenende ist mir wieder bewusst geworden, das das Karate, das ich betreiben möchte, ein ernsthaftes ist. Ich habe allerdings mit Leuten trainiert, die das nicht so zu sehen scheinen. Es gab wieder eine Reihe von Leuten, die den Gürtel, der sich um ihren Bauch befand, wirklich zu Unrecht trugen. Mir ist klar, dass ältere Personen oder eben auch Leute mit Behinderungen die Techniken nicht so ausführen können, wie ein gesunder Teenager, aber was man manchmal zu Gesicht bekommt, entbehrt jeden Anstands – und zwar auf Seiten der Prüfer und der Prüflinge – und zwingt mich zu diesem Beitrag.

Unter anderem habe ich mit einer guten Bekannten trainiert, die von ihrem Sensei den fünften Kyu verliehen bekommen hat. Ehrlich, das war nicht richtig, das durfte (noch) nicht sein. Gemessen an ihr, müsste ich mindestens den dritten tragen, und ich hadere immer noch mit meinem fünften! Die Frau ist einfach nur… schlecht. Und sie bemüht sich auch nicht wirklich darum, besser zu werden oder Hinweise zur Verbesserung ihrer Techniken umzusetzen. Was (vermeintlich) nicht geht, geht eben nicht, ohne es tatsächlich ausprobiert zu haben.

Ihr Sensei hätte ihr die Graduierung nicht zuerkennen dürfen, auch wenn sie sich für den Verein engagiert und er sie als Schülerin in sein Herz geschlossen hat. Meiner Meinung nach sollte eine Graduierung das technische Können (im Dan-Bereich dann auch so etwas wie den theoretischen Hintergrund und das Verständnis des Karate-Dô) abbilden, denn wer mit einem Partner trainiert, beurteilt diesen und sein Können zunächst nach dessen Gürtelfarbe, ohne von ehrenamtlichem Engagement zu wissen. Dieses zu würdigen, gibt es andere Möglichkeiten!

Ein zweites Beispiel stellte die Frau eines Senseis dar, die den zweiten Kyu trug. Bei aller Liebe und unter Beachtung der Vernunft, ich hätte ihr höchstens den fünften zugestanden! Dass man die Frau von einem Yondan ist, qualifiziert einen selbst doch nicht zum zweiten Kyu?! Das ist doch peinlich für den Prüfer und sie selbst! Der Prüfer riskiert seinen Ruf der Objektivität gegenüber anderen und der Prüfling seine Objektivität gegen sich selbst. Man hat doch zumindest eine grobe Einschätzung von sich selbst und den eigenen Fähigkeiten, die meist gar nicht so falsch ist. Wie können manche Leute diese nur so ignorieren?

Damit ist Karate nicht das, was ich mir darunter vorstelle. Auch wenn es sich „nur“ um Farb-Graduierungen handelt, so versuche ich doch, mich von solchen Leuten zu distanzieren. Nachdem ich diesen fünften und zweiten Kyu gesehen habe, werde ich nun erst recht alles daran setzen, mir meinen vierten Kyu wirklich zu verdienen. Ich will meinem Sensei, meinem Dôjô, meinem Verein, meinem Verband und vor allem mir selbst doch keine Schande bereiten!

nanna

Montag, Dezember 04, 2006

Unwetter

Große Tropfen auf feuchtglänzenden Blättern,
Wasser noch immer im Schutz der Rinde haust.
Ein krummer Stamm, gebeugt von allen Wettern,
Äste und Zweige wild vom Sturm zerzaust.

Ein Tränenmeer rinnt über der Blätter Reine
als flöss es über ein blasses Menschengesicht.
Es scheint, dass der alte Baum bitterlich weine,
nur sein Ächzen und Stöhnen hört man nicht.

Leise, fast lautlos, fallen die Tropfen nieder,
tränken Erde, die sich nach ihnen verzehrt.
Dunstschwaden ersticken des Windes Lieder,
brechen die Blüte, welche aufwärts begehrt.

Das ruhige Bächlein führt quirlende Wogen,
kann sie kaum halten, stürzt durch die Wälder.
Uferbegrenzungen werden schnell aufgehoben
und der zunehmende Wind bläst deutlich kälter.

Schweigen liegt über den alten Trauerweiden,
tiefer drückt sie der versagten Jugend Last,
verschmelzen mit nassen Halmen zum Dauerleiden
in einer sanften, kusshaften Berührung fast.

(veröffentlicht in:
Bibliothek deutschsprachiger Gedichte (Hg.) (2005): Ausgewählte Werke VIII. München: Realis.)

nanna

Sonntag, Dezember 03, 2006

Murphys Gesetz

Den heutigen Spätnachmittag verbringe ich mit Freunden auf dem Erfurter Weihnachtsmarkt. Was tut man nun dort, wenn man nicht gerade unnützen Kladderadatsch begutachtet? Man isst und trinkt. Auch ich will essen – und wer mich kennt, weiß auch, dass es Süßigkeiten sein müssen ;-).

Zielstrebig traben wir also auf einen Stand zu, an dem es kandiertes und mit Schokolade überzogenes Obst gibt. Ich habe es auf eine Schoko-Banane abgesehen. Davon gibt es noch drei. Genug also für meine Freundin und mich. Doch dann die Erkenntnis: Die vorne anliegende Banane ist die kleinste! Die will ich Egoistin natürlich nicht haben. Also rotieren meine Gedanken: Sage ich der Verkäuferin, dass ich die zweite und nicht die erste Frucht haben möchte? Zugleich aber auch die nächste Erkenntnis: Meine Freundin steht vor mir und da sie auch eine Banane will, wird sie die kleinere bekommen. Ein Stein fällt mir vom Herzen und ich bin erleichtert. Mich kurzfristig in meinem persönlichen Glück sonnend, werde ich jäh in die Realität zurückgerufen: „Was darf’s bei Ihnen sein?“ Ich zucke zusammen. Wie??? Meine Freundin ist doch erst dran!!! Ein Blick klärt die Lage: Ein zusätzlicher Verkäufer hat sich offenbar entschlossen, die Schlange und besonders mir die Wartezeit zu verkürzen. Ich bin an der Reihe, während meine Begleiterin noch auf ihre Verkäuferin wartet. „Eine Schoko-Banane bitte!“. Bitte, bitte, bitte nicht die erste, füge ich im Geist hinzu. Die silberne Zange schießt auf die Bananen zu und packt … zielsicher die vorderste.

Ein Blick auf meine Freundin sagt mir, dass sie ähnlich wie ich gedacht hatte. Zufrieden und glücklich nagt sie an ihrer großen Frucht. Ärger will sich in mir hocharbeiten, aber ich unterdrücke ihn und muss innerlich über mich selbst lachen. Das ist doch nur eine Schoko-Banane!!! Ich beschließe, es ihr zu gönnen, schließlich ist sie ja auch ein großer Mensch.

That’s life. Jeder kriegt, was er verdient…
und manchmal verdient man eben den Fluch von Murphy`s Law.

nanna

Weihnachtslehrgang 2006

Dieses Wochenende hat in Erfurt ein Karate-Lehrgang stattgefunden, zu dem Oblinger- und Ratschke-Sensei sowie einige enge Schüler der beiden ihr Wissen an Schüler der Unter- und Oberstufe weitergaben. Es gab viel Neues zu sehen und umzusetzen, und einiges davon war sehr hilfreich.

Technisch haben mir die Mawashi-Geri-Übungen von Oblinger-Sensei wirklich weitergeholfen, wofür ich ihm sehr dankbar bin. Auch die Wiederholung der Kata Jion habe ich genossen, weil ich sie schon lange nicht mehr geübt hatte und Nicht-Wiederholtes bei mir zu schnell in Vergessenheit gerät. Ratschke-Sensei danke ich für das Üben und Anwenden der Techniken seiner Kata Heian Sandan Renshuho. Auch dies brachte neue Einsichten … und ein paar üble blaue Flecke *lach*. Wenn ich ehrlich bin, habe ich die aber selbst provoziert und damit wirklich verdient. Nur so konnte ich begreifen, wie die Technik richtig und damit tatsächlich funktioniert … also bitte kein Mitleid ;-).

In den Trainingseinheiten mit Oblinger-Sensei ist mir aufgefallen, dass er zum Vorzeigen und Erklären bestimmter Techniken immer verschiedene Schüler zu sich bittet. Das gefällt mir sehr. Oft ist es so, dass die Meister eigene Schüler mit zum Lehrgang nehmen und dann mit diesen die zu übenden Techniken vorzeigen. Das halte ich für sehr bequem, weil ein Sensei seine eigenen Schüler und deren Reaktionen ja kennt. Nähme er hingegen „fremde“ Schüler, die noch dazu die der Trainingsgruppe offiziell entsprechende Graduierung haben (eben ein Farb- und nicht ein Schwarzgurt), würde er sich viel besser auf die gesamte Gruppe und deren Problematiken einlassen. Außerdem kann es für einen Schüler auch sehr motivierend wirken, einmal mit einem Sensei vor den Augen der anderen zu üben.

Besonders spannend gestaltete sich das Oberstufen-Training. Die Braun- und Schwarzgurte wiederholten oder erlernten Katas, die sich nicht in Pflügers „Kata-Bibel“ finden. Abgerundet wurde dieses nicht gerade typische Programm durch die Vorführung verschiedener bekannter Katas und beeindruckender Sequenzen aus den Dan-Prüfungsprogrammen. Es machte Spaß zuzuschauen und einen kleinen Einblick in das zu bekommen, was Karate für „Fortgeschrittene“ ist. Ich gehe meinen Weg sehr gern und hoffe, eines Tages auch dahin zu kommen.

An den bereits erwähnten Prüfungen haben liebe Wegbegleiter und Wegbereiter teilgenommen. Meine besonderen Glückwünsche gehen an drei der Prüflinge dieses Wochenendes, die sich den Yondan, den Sandan und den Yonkyu ehrlich verdient haben. Ihr seid einfach großartig…
Abschließend bleibt noch das Fazit:
Was für ein motivierendes Karate-Wochenende!!!

nanna

Samstag, Dezember 02, 2006

Eisige Stunden

Heute ist ein grauer Tag. Schwerer Nebel senkt sich auf die Ebene, erstarrt zu Reif und friert die Gräser ein. Die Luft tropft und hemmt den Atem. Der Himmel drückt in aller Schwere und die Enge wird noch enger. Alles fällt schwer. Langsam schleppt sich der Schritt voran. Der Körper sucht dem Raum die Zentimeter abzugewinnen, das Gemüt hinter sich herschleifend. Jede Faser schmerzt – und die Seele tut dies auch.

Ich will meine Ruhe und finde sie nicht. Alles ist laut. Das Telefon schrillt und selbst das geschriebene Wort dröhnt im Kopf. Ich kann nicht entfliehen. Die Menge hat mich umstellt. Geister verfolgen mich. Sie kichern, lärmen, schreien, brüllen, gackern, wiehern, tuscheln, lästern, stoßen, schlagen, treten, bemitleiden. Geht! Verbreitet Euer Gift, wo es nicht auf fruchtbaren Boden trifft!

Ich reiße mich los, wage die Flucht. Heißes Wasser füllt die Enge der Badewanne, sanfter Kerzenschein erleuchtet die Dunkelheit und ruhige Melodien suchen die Stimmen im Kopf zum Schweigen zu bringen. Aber es hilft nicht. Das Gefängnis öffnet sich nicht, das Chaos lichtet sich nicht, der Krach endet nicht, die bösen Geister verlassen mich nicht und die Schmerzen gehen nicht.

Ich stehe, wo ich nicht stehen will. Ich höre, was ich nicht hören will. Ich sehe, was ich nicht sehen will. Ich sage, was ich nicht sagen will. Ich handele, wie ich nicht handeln will. Ich fühle, was ich nicht fühlen will. Verzweifelte Fragen: Wer bin ich? Was will ich? Wohin möchte ich? Wie komme ich dahin? Keine Antworten. Unbequeme Antworten. Fatale Antworten, die nach Konsequenzen verlangen.

Heute ist ein grauer Tag. Schwerer Nebel senkt sich auf die Seele, lässt sie erstarren und friert die Gefühle ein. Die Gedanken tropfen und hemmen den Geist. Der Raum für das Ich schwindet in die Gefilde der Zeit und der eisige Frühwinter bricht im Gegenzug daraus hervor. Das Herz sucht dem Raum die Zentimeter abzugewinnen, den Verstand hinter sich herschleifend. Es tut furchtbar weh – frische Blessuren verdecken die alten.

nanna