Vor ein paar Tagen rief mich ein Freund an. Er hatte sich erst kürzlich von seiner Lebensabschnittsgefährtin getrennt und nun erkannt, dass das Zusammenleben neben diversen Einschränkungen auch Freiheiten verschaffte. In seinem Fall waren die im Haushalt anfallenden Tätigkeiten strikt getrennt. Er kochte, sie schmiss den Rest des Haushalts. Und vor allem wusch und bügelte sie die Wäsche. Da er nun auf diesen Service nicht mehr zurückgreifen konnte, sah er sich einer Herausforderung gegenübergestellt, die ihn zunächst überforderte. Wenn er nicht Unsummen in einem Waschsalon ausgeben wollte, musste er selbst waschen – aber wie? Wir lösten das Problem am Telefon. Diese Anekdote veranlasste mich allerdings, hier für alle ebenfalls Betroffenen, Neugierigen, Abenteuerlustigen, Hartgesottenen, Unverbesserlichen und auch Männer, die ihrer Frau ein besonderes Geschenk zum Jahrestag machen wollen, eine kleine Einführung in die hohe Kunst des Waschens zu geben.
1. Man sammelt Wäsche.
Das Wäschewaschen kostet Energie und Wasser, deshalb werfen wir die Waschmaschine nicht für ein einzelnes Paar Socken an. Wir bemühen uns immer, sie voll zu machen.
2. Man kontrolliert die Hosentaschen.
Bevor irgendein Kleidungsstück in die Waschmaschine wandert, wird es grundsätzlich einer ersten Sichtkontrolle unterworfen. Grober Schmutz wird aus- oder abgeklopft, Flecken und Kragenschmutz mit Flecken- bzw. Vorwaschmittel behandelt und – was wirklich wichtig ist – die Hosen- und Jackentaschen kontrolliert und geleert. Ein vergessenes Tempo-Taschentuch hat schon für so manche böse Überraschung und übel verfusselte Wäsche gesorgt.
3. Man trennt Wäsche nach Stoffen.
Prinzipiell gibt es Stoffe, die nur gereinigt werden dürfen. So etwas erkennt man am Etikett in der Innenseite des Kleidungsstücks. Meist ist dieses in der linken Naht eingenäht. Dort kann man zum einen ablesen, um was für einen Stoff es sich tatsächlich handelt und zum anderen, bei wie viel Grad das Kleidungsstück gewaschen werden darf. Zusätzlich sind Informationen für die chemische Reinigung und das Bügeln angegeben.
Die meisten Stoffe sind bei 30 oder 40 Grad problemlos waschbar. Bekleidung aus reiner Baumwolle (100 Prozent Cotton) darf auch heißer gewaschen werden. Farbige Stücke bei 60 Grad (aber Achtung, die Farben leiden oft darunter) und Weißes sogar bei 90/95 Grad. In die Reinigung gehören Anzüge, Mäntel und für Männer auch Kleidungsstücke aus Seide oder Wolle.
4. Man trennt Wäsche nach Farben.
Viele Menschen haben einen einzigen Waschkorb, in dem sie die ganze Schmutzwäsche sammeln. Das ist zwar platzsparend, aber in gewisser Weise auch uneffektiv. Unseren Hausmüll trennen wir ja auch. Wäsche muss nämlich auch sortiert werden, weil die Farben oftmals nicht „farbecht“ sind. Wer sich einmal die Weißwäsche rosa verfärbt hat, weil eine rote Kindersocke dummerweise dazwischengerutscht ist, weiß um den Ärger und darum, dass der Vorgang unumkehrbar ist. Weil man im Vorhinein nicht ahnen kann, welche Kleidungsstücke ihre Farbe halten und welche nicht, sollte man das Vorsortieren ernst nehmen.
Je öfter man Bekleidung wäscht, umso unwahrscheinlicher wird es zwar, dass sie abfärbt, Farbtrennung ist jedoch trotzdem eines der obersten Gebote des Waschens. Zu empfehlen ist eine Vier-Trennung in weiße Kochwäsche, helles Buntes (weiße Nicht-Kochwäsche, beige, natur), buntes Buntes (rosa, hellblau, hellgrün, kräftiges Gelb) und dunkles Buntes (schwarz, braun, dunkelblau, dunkelgrün, kräftiges Rot). Gibt es sehr viel Schwarzes, so kann man auch eine Maschine reines Schwarz ansetzen und ein Waschmittel hinzugeben, das speziell für Schwarzes konzipiert ist und diese Farbe besonders schont.
5. Man füllt die Maschine.
Dies ist ein Punkt, der scheinbar keine explizite Erwähnung finden sollte. Leider zeigt die Realität, dass es auch hier durchaus zu Fehlern kommen kann. Obwohl wir uns nämlich bemühen, die Maschine voll zu machen, machen wir sie nicht zu voll! Zunächst sollte beachtet werden, dass Waschmaschinen für unterschiedliche Kilogrammzahlen ausgelegt sind. Ob die Maschine 3, 5 oder 6 Kilogramm Wäsche bewältigen kann, geht aus der Bedienungsanleitung hervor.
Außerdem muss die Wäsche Platz haben, sich zu entfalten. Das Wasser sollte zirkulieren und alle Stellen erreichen können. Ein einfacher Trick hilft dabei, das richtige Befüllungsmaß zu finden. Hierzu befüllt man die Maschine ganz einfach und drückt dann mit der Hand auf den Wäscheberg in der Trommel. Die Wäsche sollte noch nachgeben und vielleicht ein Viertel bis ein Fünftel Luft lassen.
6. Man wählt ein Waschprogramm.
Ein erster Blick auf den oder auch die Regler einer Waschmaschine überfordert viele zunächst. Keine Sorge, ein paar Dinge können wir zunächst einfach außer Acht lassen. So entfallen die Programme für Wolle und auch Feines, sowie die Einstellungen für den Wäschetrockner, sofern ein solcher in der Maschine integriert ist. Auch hinsichtlich des Schleuderns muss zunächst keine Einstellung vorgenommen oder geändert werden, weil das Waschprogramm diese normalerweise enthält.
So bleibt nur noch übrig, die Art der Wäsche und die Gradzahlen zu wählen. Unterschieden wird meist nach Buntwäsche und Feinem. Wenn man obigen Anleitungen Folge geleistet hat, wählt man ein Programm für Buntes, ohne etwas falsch zu machen. Für wirklich Buntes entscheidet man zwischen 30 und 40 Grad. Für weiße Kochwäsche gibt es nur 90 bzw. 95 Grad. Will man diese Kleidung etwas schonen, stellt man 60 Grad ein.
Ganz wichtig ist, den Startknopf nicht vergessen zu drücken und in der Wohnung zu bleiben, solange der Waschvorgang nicht beendet ist. Geplatzte Wasserschläuche sind keine Seltenheit und größerer Schaden lässt sich nur vermeiden, wenn man dabeibleibt. Auch weibliche Unterwäsche birgt ein gewisses Gefahrenpotenzial. So lösen sich beispielsweise gern die Bügel aus den BHs und durchstechen die Trommel, um dann den Schleudervorgang zu blockieren. Je nachdem, wo sich der Bügel befindet und ob man selbst in der Lage dazu ist, ihn zu entfernen, kann es sich dabei auch um ein kostspieliges Vergnügen handeln. Deswegen an dieser Stelle ein weiterer Tipp: Bügel-BHs entweder per Hand waschen oder in verschließbare Leinensäckchen geben und dann erst in die Waschmaschine legen.
7. Man hängt die Wäsche auf.
Hierfür gibt es verschiedene Methoden. Meine Mutter beispielsweise hängt alles am Bund auf. Ich selbst benutze für Oberteile (außer Blusen) überhaupt keine Klammern, sondern hänge sie mittig über die Leine. Blusen und Hemden werden am unteren Saum aufgehängt. Platz- und klammernsparend ist es, das Kleidungsstück vor dem Aufhängen zu schließen oder zumindest so aufzuhängen, als wäre es geschlossen. Unterhosen hänge ich am Bund auf, Socken sortiere ich schon nach Paaren vor und klammere sie an den Strumpfspitzen fest. Hosen werden häufig am Bund aufgehängt, aber persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass sie ihre Passform besser behalten und häufig nicht mehr gebügelt werden müssen, wenn sie umgekehrt an den Hosenbeinen aufhängt werden.
8. Man legt die Wäsche.
Wenn die Wäsche trocken ist, wird sie abgenommen und zusammengelegt. Auch hierfür gibt es verschiedene Techniken. Eine komplexe Darstellung würde den Rahmen des Blogs sprengen, deshalb an dieser Stelle nur der Tipp, den Frauen einmal über die Schulter zu schauen, sich selbst kreativ zu betätigen und eine Legetechnik zu entwickeln, die die Größe des Schrankes optimal auszunutzen weiß. Wichtig hinsichtlich des Zusammenlegens ist nur, dass vermieden wird, unnütze Falten zu erzeugen.
Diese Einführung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und beruht vorwiegend auf eigenen Erfahrungswerten. Ich selbst wasche schon seit dem frühen Teenageralter meine Wäsche selbst, obwohl meine Mutter das auch heute noch für mich mittun würde. Ausschlaggebendes Erlebnis für die Entscheidung selbst zu waschen, waren diverse Kindheitserfahrungen mit meinen Lieblingskleidungsstücken. Ich erinnere mich, dass ich als Kind zwei Kunstpelzmützchen hatte – ein rotes und ein weißes. Das weiße mochte ich lieber, weil es mich weniger an Rotkäppchen und sein böses Schicksal erinnerte. Ich liebte es. Es verging kein Wintertag, an dem ich ohne diese Mütze das Haus verließ, bis es eines Tages der Kochwäsche anheim fiel. Meine Mutter hatte beim Vorsortieren nicht aufgepasst und es mitgekocht, woraufhin der Pelz verfilzte und die Mütze auf Puppenkopfformat schrumpfte. Ich heulte stundenlang und konnte nur mit dem Versprechen beruhigt werden, ein neues Mützchen derselben Art zu bekommen. Tja, Ihr ahnt es vermutlich schon *schräg Richtung Mutti schiel*: Ich warte noch heute auf diese Mütze! Endgültig war das Maß des guten Willens voll, als meine Lieblingsunterwäsche rosa statt weiß aus der Wäsche kam und diverse Pullover ungewöhnliche Farbgebungen aufwiesen. Mittlerweile geht es mir besser mit dem Wissen, für meine Wäsche selbst verantwortlich zu sein.
Da ich meine Erfahrungen gern teilen würde, möchte ich an dieser Stelle die geneigten Leser um Feedback bitten – besonders natürlich die männlichen. Ich habe dazu ein paar Fragen an Euch:
- Habt Ihr persönlich schon einmal Wäsche gewaschen?
- Habt Ihr Euch damit überfordert gefühlt (ehrlich ;-))?
- Ist Euch mit Eurer Wäsche schon mal ein Malheur passiert?
- Ist Waschen Frauensache?
- War dieser Beitrag hilfreich?
Nun bleibt mir nur noch übrig, Euch allzeit ein gutes Händchen für Eure Wäsche zu wünschen.
Übrigens:
Eine alte Volksweisheit besagt, dass das Waschen zwischen den Jahren Unglück bringt. Also zwischen den Festen Hände weg von der Wäsche ;-)!!!
nanna
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3 Kommentare:
Also als Betroffener kann ich erst mal nur eines sagen: DANKE. Die Anleitung gibt einen sehr guten Überblick über das Waschen. Was mir noch fehlt, sind ein paar Hinweise zum Waschmittel: Was nehme ich für ein Waschmittel, wann nehme ich wieviel etc. Wenn Du das noch hinbekommst, ist Dein Beitrag perfekt.
Die Fragen beantwortete ich Dir sehr gerne:
- Habt Ihr persönlich schon einmal Wäsche gewaschen?
Jetzt ja, sogar schon zweimal, aber nur einfache Wäsche.
- Habt Ihr Euch damit überfordert gefühlt?
Nicht nach der tollen Anleitung.
- Ist Euch mit Eurer Wäsche schon mal ein Malheur passiert?
Bisher noch nicht.
- Ist Waschen Frauensache?
Bisher war das bei mir immer Frauensache. Jetzt nicht mehr.
- War dieser Beitrag hilfreich?
Ja sehr.
Hallo nidan,
Deine Fragen bezüglich des Waschmittels sind sehr schnell beantwortet. Prinzipiell unterscheidet man Waschmittel für Buntes von Waschmittel für Weißes. Du solltest also immer zwei Waschmittel im Haus haben. Da das Waschmittel für Weißes oft bleichende Substanzen enthält, die Farben sehr angreifen können, empfiehlt es sich nicht, es für das Waschen von Buntwäsche zu verwenden. Andersherum wird weiße Wäsche, die Du auf Dauer mit Waschmittel für Buntes wäschst, möglicherweise grau werden. Egal ist, ob Du diese Waschmittel in Pulver- oder flüssiger Form nimmst. Das liegt in Deiner persönlichen Präferenz. Es gibt weiterhin Waschmittel für Feines oder Wolle, aber auch spezielles für rein schwarze Wäsche. Das sind Spezialmittel, die Du nicht unbedingt brauchst. Für wirklich Feines und besonders Wolle kann man notfalls auch sehr gut normales Haarwaschmittel verwenden. Als „Anfänger“ solltest Du solche Wäsche aber lieber in die Reinigung geben. Welche Mengen zu dosieren sind, entnimmt man immer den Angaben auf der Verpackung. Das variiert gewöhnlich nach dem Grad der Verschmutzung und der Wasserhärte. Prinzipiell kannst Du aber jeweils eine Dosis niedriger nehmen, damit bin ich bislang nie schlecht gefahren. Noch ein Tipp zum Schluss: Benutze einen Weichspüler. Ich tue das immer, weil ich in einer Gegend mit sehr hartem Wasser wohne. Die Wäsche bleibt schön weich, duftet herrlich und ist länger schön. Wie der Weichspüler zu dosieren ist, entnimmst Du ebenfalls der Verpackungsaufschrift. Du gibst ihn in das kleinere Fach neben dem Hauptfach für das Waschmittel (meistens mit einer Blume gekennzeichnet). Viel Spaß weiterhin mit Deiner Wäsche! Bleib dran, denn Übung macht den Meister :-).
nanna
Ein Schweizer und ein Österreicher sitzen Sonntags in der Früh und erklären sich die Welt, kürzer das waschen...
...durch deine Erklärungen wurden sie erleuchtet
Danke
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