Heute ist ein grauer Tag. Schwerer Nebel senkt sich auf die Ebene, erstarrt zu Reif und friert die Gräser ein. Die Luft tropft und hemmt den Atem. Der Himmel drückt in aller Schwere und die Enge wird noch enger. Alles fällt schwer. Langsam schleppt sich der Schritt voran. Der Körper sucht dem Raum die Zentimeter abzugewinnen, das Gemüt hinter sich herschleifend. Jede Faser schmerzt – und die Seele tut dies auch.
Ich will meine Ruhe und finde sie nicht. Alles ist laut. Das Telefon schrillt und selbst das geschriebene Wort dröhnt im Kopf. Ich kann nicht entfliehen. Die Menge hat mich umstellt. Geister verfolgen mich. Sie kichern, lärmen, schreien, brüllen, gackern, wiehern, tuscheln, lästern, stoßen, schlagen, treten, bemitleiden. Geht! Verbreitet Euer Gift, wo es nicht auf fruchtbaren Boden trifft!
Ich reiße mich los, wage die Flucht. Heißes Wasser füllt die Enge der Badewanne, sanfter Kerzenschein erleuchtet die Dunkelheit und ruhige Melodien suchen die Stimmen im Kopf zum Schweigen zu bringen. Aber es hilft nicht. Das Gefängnis öffnet sich nicht, das Chaos lichtet sich nicht, der Krach endet nicht, die bösen Geister verlassen mich nicht und die Schmerzen gehen nicht.
Ich stehe, wo ich nicht stehen will. Ich höre, was ich nicht hören will. Ich sehe, was ich nicht sehen will. Ich sage, was ich nicht sagen will. Ich handele, wie ich nicht handeln will. Ich fühle, was ich nicht fühlen will. Verzweifelte Fragen: Wer bin ich? Was will ich? Wohin möchte ich? Wie komme ich dahin? Keine Antworten. Unbequeme Antworten. Fatale Antworten, die nach Konsequenzen verlangen.
Heute ist ein grauer Tag. Schwerer Nebel senkt sich auf die Seele, lässt sie erstarren und friert die Gefühle ein. Die Gedanken tropfen und hemmen den Geist. Der Raum für das Ich schwindet in die Gefilde der Zeit und der eisige Frühwinter bricht im Gegenzug daraus hervor. Das Herz sucht dem Raum die Zentimeter abzugewinnen, den Verstand hinter sich herschleifend. Es tut furchtbar weh – frische Blessuren verdecken die alten.
nanna
Samstag, Dezember 02, 2006
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