Ein stürmisches Jahr geht vorüber. 2005 noch war ich in München. Nun wieder Erfurt. Die Wogen des Lebens werfen einen an so manche Klippe – an viele auch mehrfach. Aber mein Ozean meint es gut mit mir. Meine kleine Jolle scheint die schlimmsten Stürme zu umschiffen. Wie schaffe ich es nur immer wieder, sanft zu laden? Ich nenne es Fügung und Führung. Ja, es gibt jemanden, der lenkt. Manchmal bin ich es selber, manchmal sind es andere, manchmal aber scheint es auch eine höher Macht zu sein. Ich bin dankbar für all das Gute, das mir widerfährt. Habe ich es verdient? Manchmal bin ich mir da nicht so sicher. Ich, das ruhelose Blatt im Wind, der ewig Suchende, der ewig Zweifelnde…
Draußen stürmt es auch heute. Ich verbringe ein paar Tage im hohen Norden – auch das war Fügung. Die Böller knallen und ich suche die Ruhe. Ich habe mich in mein Zimmer im Penthouse zurückgezogen. Ich mag das Getöse nicht. Vertreibt ruhig die bösen Geister damit, aber tut es ohne mich. Gerne jedoch für mich. Mein Penthouse – ebenfalls nur ein Zufall? Das Zimmer mit der besten Aussicht über die große Stadt Bremen, hoch über dem Lärm und doch inmitten der leuchtenden Farbenpracht. Ich bin so dankbar… dankbar für alles…
Lassen wir das Jahr Revue passieren… Was habe ich mir um Mitternacht vom großen Fenster meines Bruders aus gewünscht? Ich weiß es nicht mehr genau. Mit Sicherheit wollte ich im neuen Jahr gern wieder einen Mann an meiner Seite haben, mehr für das Studium tun, etwas Körpermasse verlieren, konsequenter mit mir selbst sein und die alten Freunde kontaktieren, von denen ich nur noch so selten höre. Wenn ich ehrlich bin, habe ich davon nur eine Sache umsetzen können, und daran hatte ich selbst wohl wieder den geringsten Anteil. Es gibt ihn, den Mann an meiner Seite, ohne den ich heute das neue Jahr begrüße. An all den anderen Dingen hat sich nichts verändert.
Aber dafür ist so viel anderes geschehen. Ich habe hart neben dem Studium her gejobbt, so dass ich erhebliche zeitliche Einschränkungen hinnehmen musste. Trotzdem konnte ich den Notenschnitt ungefähr halten. An Körpermasse habe ich zwar nicht verloren, diese aber umgewandelt. Heute habe ich mehr Muskelanteil als noch vor zwölf Monaten. Das verdanke ich der endgültigen Konsequenz, wieder mit dem Karate-Training anzufangen und ein Fitness-Studio zu besuchen. Und da war sie doch auch, die Konsequenz? Ja, ich war hart zu mir und ich habe böse gekämpft. Niemand hat eine Vorstellung davon, wie sehr ich gekämpft habe. Gegen mich und für mich, besonders hinsichtlich des Karate… und es hat sich gelohnt, es lohnt sich noch immer. Fehlen noch die alten Freunde. Da wäre meine Blutsschwester aus Wakontanka-Zeiten. Wir hatten in diesem Jahr mehr Kontakt als in vielen Jahren zuvor zusammengenommen. Und statt der alten sind neue Freunde gekommen, die mir sehr wichtig sind. Nun bin ich überrascht. Fällt das Fazit etwa doch nicht ganz so negativ aus?
Nunja, in gewisser Weise habe ich ja geschummelt. Ich hatte mir nie notiert, was ich im neuen Jahr tatsächlich ändern wollte. Aber eigentlich ist das doch eine gute Idee… Es ist gut, zu reflektieren und resümieren sowie Konsequenzen aus diesen Tätigkeiten zu ziehen, wenn man im Leben vorankommen will. Und das will ich. Der Ozean ist so groß und ich möchte möglichst viel davon sehen. Also werde ich an der Schwelle zu meinem 30. Lebensjahr damit anfangen, mir meine Wünsche und Vorhaben für das neue Jahr in schriftlicher Form zu fixieren. Sogar öffentlich.
Jetzt können mich alle, die mich kennen, unterstützen, motivieren, ermahnen oder auch rügen. Ich bitte Euch also um Eure Hilfe und revanchiere mich gern. Freundschaft ist ein Geben und Nehmen und je mehr ich habe, desto mehr kann ich geben. Je weiter ich selbst komme, umso weiter kann ich auch Euch bringen. Im Karate-Training würde ich mich jetzt verbeugen: Onegai shimasu! (In der Übersetzung etwa: „Bitte.“ oder „Ich habe eine Bitte.“) Am Ende des Jahres werde ich Euch an dieser Stelle danken.
Nun, was nehme ich mir vor? Ich werde es in bestimmte Lebensbereiche und zeitlich gestaffelte Ziele unterteilen.
1. Privates Glück.
Dabei kann mir nur einer helfen: Der Mann an meiner Seite, nidan, mein Hexenmeister. Du wirst gutes Durchhaltevermögen zeigen müssen und kannst Dich schon auf einiges gefasst machen. In unseren ersten Wochen hatten wir es schon nicht leicht, aber glaube mir, dass das nur die Spitze des Eisberges war! Äußere Umstände sind nichts gegen innere. Wir werden noch kämpfen müssen, aber ich weiß auch, dass wir es schaffen können. Erinnere Dich zur rechten Zeit an den Rat, den ich Dir einst gab: Manchmal musst Du mich in die Ecke treiben…
Zum privaten Glück gehört für mich nicht nur der Abbau einer emotionalen Distanz, sondern in unserem Fall auch schlicht und einfach der geografisch-räumlichen. Für mich ist das ein neuer und sehr großer Schritt, auf den ich mich aber auch schon freue. Leider haben darauf nicht nur wir, sondern auch unsere Arbeitgeber Einfluss, allerdings hoffe ich, dass sich dieses Problem auch lösen lässt. Ich wünsche mir, dass wir das kommende Silvester zusammen verbringen und die Zeit miteinander in vollen Zügen genießen…
2. Beruflicher Erfolg.
Beruflicher Erfolg hängt mit dem Abschluss meines Masterstudienganges zusammen. Obwohl ich eigentlich seit drei Monaten an meiner Magisterarbeit schreiben sollte, schiebe ich diese munter vor mir her. Alles ist wichtiger, als dieses Ding endlich in Angriff zu nehmen. Es ist ein Klacks, eine Kleinigkeit im Vergleich zu dem Kampf, das Studium überhaupt absolvieren zu können und dann so wie bisher durchzuziehen. Und ich will fertig werden. Ich will den Fängen der Universität entrinnen und wieder ein geregeltes Arbeitsleben führen. Es gibt mittlerweile einen aktualisierten Zeitplan. Abgabetermin ist am 11.03.2007. Verzeiht, wenn ich Euch bis dahin vernachlässige und besonders den schriftlichen Kontakt zurückschrauben muss. Ich komme wieder, weil ich Euch brauche und jetzt schon vermisse, versprochen.
Aber ein paar Worte zuvor deutete sich schon ein Ziel für nach dem Studium an: ein geregeltes Arbeitsleben. Ja, ich will wieder arbeiten. Ich brenne darauf. Allerdings muss ich Kraft tanken und noch ein paar Dinge tun, die mir vor der Arbeit wichtig sind. Im Prinzip geht es dabei um das Ordnen persönlicher Angelegenheiten und den Genuss der Zweisamkeit, weshalb ich erst Anfang Juni oder Juli in ein Unternehmen eintreten möchte. Konkret würde ich gern im Bereich der Public Relations (Öffentlichkeitsarbeit) arbeiten, und zwar lieber in einem großen Unternehmen als in einer Agentur. Interne Kommunikation liegt mir vielleicht auch mehr als externe, aber das ist alles schon zu spezifisch. Ich würde mich schon freuen, einfach den Fuß hinein zu bekommen – gerne auch als Trainee.
3. Urlaub und Entspannung.
Ich will raus hier!!! Meinen letzten größeren Auslandsaufenthalt hatte ich im Jahr 2000, vor Beginn des Studiums. Seitdem hat es immer an den Finanzen und der Begleitung gemangelt. 2007 ist damit Schluss. Ich möchte für mindestens zwei Wochen raus aus Europa. Ziele gibt es da viele: Nordamerika, Kanada, Neuseeland und Japan. Aber für alle diese bräuchte man eigentlich fast drei Monate und mehr Geld, als sich in einem halben Jahr Beschäftigung verdienen lässt. Also werden es wohl zwei Wochen Thailand. Egal, Hauptsache raus hier.
4. Karate-Dô.
Darüber habe ich mir vermutlich die meisten Gedanken gemacht, weil ich mich in letzter Zeit so intensiv damit und vor allem mir selbst auseinandersetzen musste. Um etwas Platz zu sparen und weil Karate schon einen beinahe zu großen Stellenwert in diesem Blog hat, folgt an dieser Stelle nur eine grobe Auflistung.
Kurzfristige Ziele:
- korrektere Wendungen
- ordentlicher Manji-Uke
- gerader Rücken
- Standhöhe beibehalten
- Ushiro-Geri *seufz*
- Kawashi und Sabaki
- ein besseres Gespür für Heian Godan entwickeln
Mittelfristige Ziele:
- sämtliche Fußtechniken verbessern
- Kumite-Angst verlieren
- Reaktion und Koordination verbessern
- Katas wiederholen und vertiefen
- Prüfung zum 4. Kyu
Langfristige Ziele:
- Vervollkommnung von Charakter, Geist und Technik
- Verstehen und Begreifen von Technik, Tradition und Etikette sowie allem, was damit verbunden ist
- meinen eigenen Weg finden und gehen
- Dô leben
- lebenslanges Lernen mit Eifer, Spaß und Freude
- eigene und fremde Grenzen ausloten und erweitern
- Aufrechterhaltung körperlicher und geistiger Fitness
- eine gute Schülerin und Senpai sein
Jetzt wird es wieder lauter. Dabei liebe ich die Stille. In den letzten Jahren gab es viele Partys zu Silvester und beinahe alle richtete ich mit aus. Aber die Zeit des großen Feierns ist vorbei. Im Moment zumindest brauche ich das nicht. Ich kann mich auch still freuen. Ich stehe in meinem Penthouse am großen Fenster und blicke in die lichterflutende Kälte hinaus. Farben zucken über den Himmel. Draußen ist es unruhig, beinahe hektisch. Was mich gerade interessiert ist, ob man sich nur still freuen oder aber auch still feiern kann? Ich jedenfalls bin gelandet. Bei mir. Ich bin endlich angekommen, vorerst zumindest. Jetzt will ich verschnaufen und später sehe ich weiter. Es ist schön. Es ist ruhig. Es ist friedlich. Innerlich. So ungewohnt.
Und siehe, in diesem Moment erledigt sich auch noch eine letzte kleine Sorge des alten Jahres. Dankeschön für alles.
nanna
Sonntag, Dezember 31, 2006
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1 Kommentar:
Danke, dass Du so bist, wie Du bist. Mit jeder Hilfe, jedem Rat, jeder Unterstützung, die Du von mir annimmst, bringst Du auch mich auf eine höhere Stufe des Seins. Gerne werde ich Dir noch weiter zur Verfügung stehen und Dir helfen, auch Dinge die Du nicht magst, hier spreche ich vor allem vom Kumite, zumindest zu üben. Ich bin auch gaaanz vorsichtig und werde rechtzeitig stoppen *Faustschützer mal auspackt*.
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