Große Tropfen auf feuchtglänzenden Blättern,
Wasser noch immer im Schutz der Rinde haust.
Ein krummer Stamm, gebeugt von allen Wettern,
Äste und Zweige wild vom Sturm zerzaust.
Ein Tränenmeer rinnt über der Blätter Reine
als flöss es über ein blasses Menschengesicht.
Es scheint, dass der alte Baum bitterlich weine,
nur sein Ächzen und Stöhnen hört man nicht.
Leise, fast lautlos, fallen die Tropfen nieder,
tränken Erde, die sich nach ihnen verzehrt.
Dunstschwaden ersticken des Windes Lieder,
brechen die Blüte, welche aufwärts begehrt.
Das ruhige Bächlein führt quirlende Wogen,
kann sie kaum halten, stürzt durch die Wälder.
Uferbegrenzungen werden schnell aufgehoben
und der zunehmende Wind bläst deutlich kälter.
Schweigen liegt über den alten Trauerweiden,
tiefer drückt sie der versagten Jugend Last,
verschmelzen mit nassen Halmen zum Dauerleiden
in einer sanften, kusshaften Berührung fast.
(veröffentlicht in:
Bibliothek deutschsprachiger Gedichte (Hg.) (2005): Ausgewählte Werke VIII. München: Realis.)
nanna
Montag, Dezember 04, 2006
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