Dienstag, November 28, 2006
Wie viele Senseis man haben darf
Eine der vielen Diskussionen, die sich über die vergangenen Wochen zieht, beschäftigt sich mit der Frage, ob man als Schüler im Karate-Dô mehrere Senseis haben darf. Aufgeworfen hatte ich die Frage, weil ich feststellen musste, dass ich für mich persönlich auch neben meinem Sensei andere Personen gern als solche bezeichnen würde. Jetzt wird es vielleicht nicht nur für Außenstehende kompliziert: Was ist eigentlich ein Sensei und warum sollte man nicht mehrere haben dürfen?
Bei Wikipedia finden wir zunächst Antworten auf die Bedeutung des Wortes. „Sensei“ heißt wörtlich „früher geboren“ (jap.) und bedeutet in den Kampfkünsten soviel wie „Lehrer“ oder „Meister“. Es handelt sich um eine Bezeichnung für lehrende Dan-Träger. (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Sensei). Dieser kurzen Darstellung zufolge wäre jeder, der lehrt und einen schwarzen Gürtel trägt, ein Sensei. Prinzipiell ist das so nicht falsch, aber auch nicht korrekt, wenn man die vielen Feinheiten in der Kampfkunst-Etikette und die unterschiedliche Handhabung in Japan und Europa berücksichtigt. Im Grunde genommen gibt es mehrere Einschränkungen, die an dieser Stelle aber uninteressant, weil nicht relevant sind. Die Personen, die ich gern Sensei nennen möchte, erfüllen die formalen Konventionen.
Und trotzdem diskutieren wir. Bei jedem Lehrgang wird der Sensei begrüßt und als solcher angesprochen und doch gibt es keine Einigkeit darüber, wie viele Senseis ein Schüler haben darf. Ich war der Meinung, ich könnte mir „aussuchen“, wen ich als „meinen“ Sensei bezeichnen möchte und dürfte auch mehrere Personen so betiteln. Aber es scheint so, dass „Sensei“ nicht gleich „Sensei“ ist und es Unterschiede derart gibt, dass der Sensei auf einem Lehrgang oder in einem fremden Dôjô formhalber so genannt wird, während es der Sensei in „meinem“ Dôjô aus meiner Überzeugung heraus ist. Dies ist zunächst aber nur eine Möglichkeit der Differenzierung. Was passiert denn, wenn ich mehrere Lehrer habe und diese meiner Überzeugung nach alle „meine“ Senseis sind?
Es gibt da zunächst meinen Sensei, den Mann, der mich Karate von Anfang an lehrte, dessen Training ich immer noch begeistert besuche, dessen technisches Können und theoretisches Wissen mich faszinieren und motivieren, der Mann, den ich als Schülerin respektiere, von dem ich begierig lerne und den ich in gewisser Weise verehre. Dann gibt es meinen Ani, der mein Weltbild ins Wanken brachte, mir den Weg zu den Sternen öffnete und momentan am ehesten als „spiritueller Lehrer“ und „Anreizgeber“ zu bezeichnen wäre, ohne ihn auf dieses beschränken zu wollen. Schließlich ist da noch eine Person, die rein graduierungstechnisch über den zuvor genannten steht und mir einfach ein Vorbild in Person und Technik ist. Diese drei und weitere lehren mich und ich lerne neugierig und eifrig von ihnen.
Auf der Suche nach der Lösung des Problems holte ich mir vier Meinungen ein:
-> Die erste Person sagte, ich könne mehrere Lehrer haben, weil dies den Horizont erweitert und den Blick auch über den Tellerrand hinaus ermöglicht. Mehrere Senseis seien also durchaus positiv.
Ich war glücklich…
-> Die zweite Person meinte, ich müsse das mit meinem Sensei klären und bräuchte quasi das Einverständnis meines ältesten oder längsten Sensei, bevor ich weitere so nenne.
Kein Problem, dachte ich mir…
-> Daraufhin fragte ich ihn und bekam zur Antwort, dass man nur einen Sensei hat. Man könne diesen zwar wechseln, also nacheinander verschiedene haben, zeitgleich mehrere Personen so zu betiteln, sei aber nicht möglich. Seine Geste war deutlich: die Faust auf das Herz legend, schaute er mich an und sagte: „Das kommt von hier.“
Ja, Sensei *verneig*, das tut es. Aber es hilft mir nicht weiter. Mein Empfinden „von hier“ ist für mindestens zwei Personen neben Dir immerhin so stark, dass ich sie auch gern als „meine“ Senseis bezeichnen würde. Das schmälert das, was ich Dir entgegenbringe, nicht im Mindesten und wenn Du mich zwingen würdest, Hierarchien aufzustellen, stünden sie immer noch unter Dir. Trotzdem finde ich, dass sie die ehrliche, von Herzen kommende Bezeichnung „Sensei“ verdienen…
-> Mein Trainingspartner Sascha (Ich danke Dir!) als vierter um Rat Ersuchter, stimmte meinem Sensei zu, „weil einem der Sensei nicht nur Techniken beibringt. Man verbindet mehr mit ihm als nur Training. Man versucht, seinem Weg zu folgen. Und jeder Sensei hat seinen eigenen Weg, Karate zu betreiben. Sie können sich auf ihrem Weg kreuzen und kurze Strecken begleiten, aber es gibt keinen Sensei, der komplett denselben Weg geht wie ein anderer.“ Deutlicher gesprochen: „Da man versucht, seinem Sensei zu folgen, kann man nur einem folgen. Kein Mensch kann auf zwei Hochzeiten tanzen!!!“
Das erscheint mir einleuchtend… und doch… mein Herz begehrt auf…
… oder ist es mein Verstand? Will ich mich um eine definitive Entscheidung drücken? Will ich partout einen Kompromiss erzwingen, wo es keinen geben kann, nur um den bequemen Weg einzuschlagen? Ich will diese Entscheidung nicht treffen! Sie müsste doch so klar sein, und dürfte mir keinesfalls Kopfzerbrechen bereiten. Sascha sagt, man kann nur einen Sensei haben, weil man diesem folgtund nur einen Weg gehen kann. Und nun stehe ich an dieser Kreuzung. Mein Herz will nach links, mein Verstand nach rechts – oder ist es umgekehrt? Aber egal wie, es sind definitiv verschiedene Wege und ich kann nur einen davon gehen. Die klare Entscheidung müsste für meinen jetzigen Sensei fallen, aber ich kann sie nicht treffen, weil mein Verstand in den letzten Wochen erkannt hat, dass es auf Dauer nicht der richtige Weg für mich ist. Ich schäme mich und habe das Gefühl, ihn zu verraten, obwohl mein Herz ihn doch liebt...
Wer will mir jetzt noch sagen, dass ich doch mehrere Sensei haben kann? Ich habe eines… und zwar wieder gelernt… unter Schmerzen… und verstanden.
Ich habe beschlossen, dass ich meinem Herzen folgen und nach links gehen werde. Die Dinge sind Kreisläufe und das Leben auch. Ich werde später erneut an diese Kreuzung gelangen und neu entscheiden. Der Kopfmensch will sein Herz nicht vollends verlieren und befürchtet, den Boden unter den Füßen zu verlieren, wenn er sich reckt, um nach den Sternen zu greifen.
Sensei:
Onegai shimasu. Lass mich meine Gedanken mit Dir teilen und die Zweifel diskutieren.
Ani:
Domo arigato gozaimashita. Ich erwarte die nächste Lektion und … Dein Shinai, Senpai.
nanna
Dienstag, November 21, 2006
Herbst-Impressionen
Gesichterstamm:

Moosstamm:

Splitterstamm:

Schattenstamm:

Netzwerk:

Laubdach:

Ohne Moos nix los:

Schwein gehabt:

Kleinvieh macht auch Mist:

Zum Glück lässt der richtig harte Winter in diesem Jahr ja noch auf sich warten. Ich hoffe, der Spätherbst wird nicht so diesig, grau, neblig und klamm-kalt, wie er es im Thüringer Becken so gern zu sein pflegt. Auf Nieselregen, Glätte und Matsch verzichte ich auch gern ;-) ...
nanna
Mittwoch, November 15, 2006
Wer bin ich - Teil III
Meine Selbstbeschreibung:
Ich bin
- der Drachen, dessen Stimme Ihr drei Häuserblocks weiter hört, wenn Ihr ihn erzürnt ;-)
- einer der letzten echten 60er-Jahre-Hippies (Es lebe flower power und "give peace a chance"!) Yeah *grunz* :-)
- eigentlich faul und langweilig
- mittelgroß, mittelbreit, mittelschwer, vieräugig, langhaarig, ungewaschen, mit Hühneraugen gesegnet *Kopf kratz*
- kratzbürstig, unwirsch, mufflig, gereizt, unausgeglichen
- momentan zu dick angezogen und doch kurz vor dem Erfrierungstod.
Ich mag:
- den Neuschnee, der im Schein der Bahnsteiglaterne golden und silbern schimmert - einem dichtgewebten Spinnennetz gleich, in dessen Fäden Diamanten schweben
- die dicke (wirklich sehr dicke) Spinne, welche abends ihr Versteck verläßt, um Insekten von unserer Eingangstür fernzuhalten (leider versteckt sie sich im Winter immer *fg*
- Schmetterlinge, die immer so ziellos in ihrem bunten Auf und Ab und Hin und Her wirken und scheinbar alle Zeit der Welt haben
- das zarte Veilchen auf der Wiese, das unter dem Schuh meines Hintermannes verschwindet
- den Geruch des wilden Meeres, des Gewitterschauers am Nachmittag oder Abend eines sehr heißen Sommertages, frisch gemähten Rasens, aber auch des Benzins an einer Tankstelle
- farbenprächtige Sonnenauf- und -untergänge
- sternenklare Nächte
- das Lächeln der Menschen
- echte Freude
- natürliche Naivität
- einer Mutti mit Kinderwagen in die Straßenbahn zu helfen
- den mit Kreide bemalten Fußweg vor Nachbars Haus
- meine lieben Freunde, die auch für mich da sind, wenn es mir nicht gut geht
- mit netten Leuten bei passenden Gelegenheiten stundenlang über Gott und die Welt sinnieren
- das Gefühl, eine Aufgabe nach bestem Wissen und Gewissen, am besten jedoch 120prozentig, erfüllt zu haben oder über sich hinausgewachsen zu sein
- die Dusche nach hartem Sporttraining und danach dieses Gefühl des Neugeborenseins
- Weisheiten und Gedichte
- Konzerte, Theater, Kino
- die Fresken, Steinmetzarbeiten, Statuen sowie Säulen an alten Gemäuern
- fremde Sprachen und Kulturen
- Zug fahren
- Tagträumen.
Ich mag nicht:
- Krieg, Krankheit, Elend, Not
- den Umgang des Menschen mit der Natur (Umwelt)
- Alkohol und Drogen, Rauchen
- Angebertum, Arroganz, Aufdringlichkeit, Ausländerfeindlichkeit, Bequemlichkeit, Besserwissertum, engstirnige Diskussionen, Doppelzüngigkeit, Egoismus, übertriebene Eitelkeit, Falschheit, Faulheit, Feigheit, Gewalt, Hass, Intoleranz, Lügen, das Gefühl von Machtlosigkeit, Mobbing, Neid, Rücksichtslosigkeit, Schleimer- und Kriechertum, Schmarotzer- und Parasitentum, Unehrlichkeit, Unentschlossenheit, Unmut, Untreue, Unvernunft, unbändige Wut oder Zorn
- Betrunkene
- Menschen, die sich über andere stellen
- drückende Einsamkeit
- das Töten von literarischen Texten durch Zer-Interpretieren
- so viel Arbeit zu haben, daß das Ende des Schreibtisches nicht mehr ertastbar ist und man sich selbst verliert, weil man keine Zeit mehr findet, auszubrechen und sich selbst klar zu machen, wer man eigentlich ist und was man eigentlich will
- das Übersehen der schönen Dinge im Leben, die zumeist aber aus Kleinigkeiten bestehen
- Remakes, die schlechter als das Original sind
- bei 35°C im Schatten auf irgendwelchen Hörsaal-Klappstühlen aus purem Holz festzukleben
- veraltete, mittlerweile revidierte oder überarbeitete Studien oder Aufsätze, die Professoren aber zur Pflichtlektüre erklären
- die Erkenntnis, mal wieder das eigene Zimmer aufräumen zu müssen
- Bahnsteige, die an gewissen Tagen vom McDonald-Müll überquellen, weil die Leute diesen nicht dort lassen können, wo sie ihn bekommen haben
- Graffitty-Sprayer, die ihre Kunst über alles stellen und dabei nicht bemerken, wieviel sie eigentlich zerstören (wobei sich gute Kunst ja dadurch auszeichnet, daß sie sich nicht aufdrängt).
Was ich an mir hasse:
- Unentschlossenheit
- Angst oder Furcht, Feigheit
- falschen Stolz
- Selbstrechtfertigung
- manchmal mangelndes Einfühlvermögen
- Rast- und Ruhelosigkeit wegen Zeitdruck
- Konservativismus und damit verbunden kleinbürgerliches Denken
- bedingte Kritikfähigkeit (sich kritisieren zu lassen)
- meine eigene Unpünktlichkeit (nicht immer, aber doch oft genug)
- die Gabe, sich zuviel aufzuhalsen (nicht NEIN sagen zu können)
- oft genug das zu tun, was ich eigentlich NICHT will
- momentan meine innere Unruhe und damit verbunden der Verlust der Gabe des Zuhörens
- manchmal Gefühle nicht annehmen oder ausdrücken zu können
- Sprachlosigkeit
- die Hauslatschen an meinen Füßen, die ich auf der Treppe jedesmal fast verliere und in denen ich mir noch das Genick brechen werde.
Das törnt mich an:
Männer mit
- Hirn
- Herz
- Charme
- Sinn für Humor
- Einfühlvermögen
- Kreativität und
- Spontanität.
Das törnt mich ab:
- Zahnbelag
- Mundgeruch
- Achselschweiß
- Käsefüße
- schwarze Fingernägel
- angekaute Fingernägel
- Machogehabe
- Alltagsanmachen
- Unpünktlichkeit
- Unehrlichkeit
- Großkotzigkeit
- Aufdringlichkeit.
So, den Hobby-Kwickies dürfte das bekannt vorgekommen sein. Alt, aber immer noch aktuell... und so schön poetisch *lach*. Den Punkt Was ich an mir liebe habe ich mal weggelassen. Das fand ich dann doch ein wenig zu narzistisch. Ebenfalls erwähnt werden soll an dieser Stelle, dass ich die Anglizismen "an-" und "abtörnen" einfach furchtbar finde, in Ermangelung eines treffenden deutschen Wortes aber zähneknirschend übernommen habe. Um Verbesserungsvorschläge wird ausdrücklich gebeten ;-).
nanna
Freitag, November 10, 2006
Wer bin ich - Teil II
Ich bin ich.
Einst kam ich von der Sonne,
wurde vom Mond gesandt.
Mein Vater ist der Himmel,
und meine Mutter, die Erde, formte mich.
Ein Kind des reinsten Lichtes,
aber ebenso tiefer Finternis.
Die Blume blüht in meinem Herzen,
während Zerstörung meinen Geist beherrscht.
Über meinem Kopf erstrahlt ein Regenbogen,
doch in meinen Körper ist der Blitz eingeschlagen.
Regen kühlt die Verletzungen,
und der Donner grollt in meiner Stimme.
Mein Weg wird von den Sternen vorgezeichnet,
aber Ungewissheit heißen sie Meilensteine.
Das endliche Ziel ist die Ewigkeit,
wo ich zu meinem Ursprung zurückkehren werde.
Ich bin ich.
nanna
(Sommer 1995)
Wer bin ich - Teil I
An dieser Stelle ist es wohl an der Zeit, ein wenig über mich selbst zu schreiben. Damit Ihr Euch ein Bild von mir machen könnt, werde ich mich hier kurz vorstellen.
Verschiedene Interessen manifestieren sich in der Liebe zu Literatur und Kunst. Ich lese nicht nur gern, sondern schreibe – sofern es zeitlich möglich ist – auch selbst, bevorzugt lange Briefe und ab und an ein Gedicht ;-). Seit letztem Monat nun auch einen Blog. Das ist neu für mich, habe ich doch bislang Tagebücher gemieden. Eine Premiere also, noch dazu eine öffentliche.
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nanna